Datenrettungsmöglichkeiten einer Festplatte mit multiplen Kopfaufsetzern

MusicIsMyLife

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Mahlzeit.

Um zu meiner eigentlichen Frage zu kommen, muss ich ein wenig ausholen. Man verzeihe mir also im Voraus den ganzen Text. ;)

Eine Kollegin von mir hat eine defekte externe Festplatte zu beklagen, auf welcher all ihre Fotos drauf waren. Das Medium war zwar ihr sogenanntes "Datensicherungsmedium", bei ihr sah die Datensicherung aber so aus, dass sie die Bilder von diversen Quellen auf ihre externe Festplatte verschoben hat. :]

Nun hat sich die Festplatte von einem auf den anderen Moment nicht mehr ansprechen lassen. Akustisch war sie unauffällig, kein kratzen/klackern/quietschen - nur hin und wieder ein kurzes, leises Geräusch. Ich (und auch noch ein weiterer Kollege aus der IT) haben dieses Geräusch so interpretiert, dass die Leseköpfe versuchen in Position zu fahren, dies aber nicht können (warum auch immer). Ein Aufsetzen auf die Platten kam uns zu keinem Zeitpunkt in den Sinn.

Es waren aber wohl Aufsetzer, wie der Bericht einer beauftragten Datenrettungsfirma zeigt. Hier ein Auszug:

Bericht Datenrettungsfirma schrieb:
...
Die Medienoberfläche weist multiple Beschädigungen auf.

Wir konnten im Reinraumlabor Lesezugriff auf das Medium nehmen. Der Lesezugriff
ging auf Grund der massiven Oberflächenschäden immer wieder nach kurzer Zeit
verloren. Es konnten nur sehr wenige unbeschädigte Bereiche gelesen werden.

Der Zustand des Mediums ist final.
...

Die Festplatte mitsamt ihren ganzen Daten ist jetzt quasi abgeschrieben. Aktuell versuchen wir, aus allen möglichen Quellen Bilder zusammenzutragen (sofern vorhanden) oder aber von der Festplatte ihres Laptops wiederherzustellen - sofern die Bilder dort überhaupt jemals drauf waren, bevor sie auf die externe Platte verschoben wurden. Der Fall ist an sich eigentlich abgeschlossen.

Ich bin aktuell aber etwas unsicher:

Das beauftragte Unternehmen hat die Festplatte als Ganzes versucht auszulesen (also mit ausgetauschten Leseköpfen und der gesamten Elektronik). Mir ist so, als hätte ich irgendwo mal gelesen oder gehört (imho im Rahmen von Berichten über den 11. September), dass selbst Bruchstücke von Platten ausgelesen werden konnten. Das ginge dann ja nicht in einem Laufwerk sondern irgendwie anders. *noahnung*

Weiß jemand, ob es noch irgendwelche anderen Möglichkeiten gäbe, solche defekten Platter quasi Sektor für Sektor, Bit für Bit auszulesen? Wenn ja, wo und wie?

Das ist jetzt keine Frage um Hoffnung zu haben - der Zug ist abgefahren. Aber mich interessiert das, da in meinem Hinterkopf eben besagte Gedanken rumgeistern.

Hat diesbezüglich jemand Ahnung?
 

Nero24

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Hi,

sorry, zum eigentlichen Thema kann ich leider nichts beitragen, aber ich finde es erstaunlich, weil ich auch ein paar Kunden habe, die das so handhaben wie Du es beschreibst. :o Sie speichern sämtliche unwiederbringlichen Daten auf einer externen Festplatte! :o Und das erzählen sie mir auch noch. "Ich geh auf Nummer sicher und speichere alle Bilder auf einer externen Platte". Auf meine Rückfrage, wieso sie denken, dass das Speichern auf einer externen Festplatte sicherer ist als auf einer internen, betretenes Schweigen. Ich trample dann meistens weiter darauf herum und erzähle von anderen Kunden, denen eine laufende externe Festplatte beim Staubwischen im Büro umgekippt ist, was zu einem Totalausfall geführt hat, oder denen eine kleine externe Platte aus der Laptop-Tasche auf den Fliesenboden gefallen ist, die vergessen oder geklaut wurde, und dass eine externe Festplatte nur Sinn ergibt, wenn man die Daten ZUSÄTZLICH darauf speichert, um ein Backup zu haben, sollte mit den Daten auf der internen Platte was sein (Defekt, Virus, versehntliche Löschung). Ist ja interessant, dass nicht nur ich solche Bekannten hab. ;)
 

sharptooth

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Also meines Wissens nach baut eine Datenrettungsfirma eigentlich die Platter im Reinraum aus der kaputten Festplatte aus und liest sie mit anderen Methoden aus, also nicht in der ursprünglichen Festplatte.

Sharpy
 

MusicIsMyLife

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Ist ja interessant, dass nicht nur ich solche Bekannten hab. ;)

Nein, da bist du nicht der Einzige. *buck* Ich befürchte, solche Leute kennt (leider) jeder... *noahnung*



Also meines Wissens nach baut eine Datenrettungsfirma eigentlich die Platter im Reinraum aus der kaputten Festplatte aus und liest sie mit anderen Methoden aus, also nicht in der ursprünglichen Festplatte.

Sharpy

Die Analyse wurde im Reinraum gemacht. Möglicherweise interpretiere ich die Aussagen falsch:

Bericht Datenrettungsfirma schrieb:
...
Die Laufwerkselektronik wurde getestet und erwies sich dann als voll funktionsfähig.

Dennoch war kein Zugriff auf das Medium möglich.

Das Medium wurde geöffnet um im Reinraumlabor von unseren Ingenieuren analysiert
zu werden. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Schreib/Leseköpfe auf das Medium
aufgesetzt haben müssen, wodurch weite Bereiche der Medienoberfläche beschädigt
wurden.

Die Köpfe des Mediums wurden in der Analyse als defekt erkannt und erfolgreich
durch baugleiche Einheiten ersetzt.
...

Für mich liest sich das aber schon so, als hätten sie es mit der (reparierten) Festplatte gemacht.

Vielleicht sollte ich noch einmal genauer nachfragen?! *suspect*
 

hoschi_tux

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Du kannst anfragen, ob du den Rohdatenstrom von der Platte bekommen kannst. Aber es kann sein, dass die Logik der Platte durcheinander kommt, wenn "Grütze" anstatt einem erwarteten Binärstrom gelesen wird und an der Stelle dann stoppt. Ich weiß nicht, wie eine HDD die Daten(abtast)rate in Abhängigkeit der Position auf dem Platter bestimmt. Kann mir aber vorstellen, dass wenn es über die Signalflanke geschieht, "Grütze" auf dem Platter dazu führt, dass die Abtastrate unlogisch / beliebig wird und der Controller durcheinander kommt. Wenn das dann mehrfach auftritt, ist unter Umständen alles nach dem ersten Kratzer nicht ohne weiteres lesbar, da sich die Leseköpfe nicht spurgerecht positionieren können.
 

sharptooth

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Was ist mit der Festplatte eigentlich passiert? Klingt so, als wäre sie im laufenden Betrieb (Zugriff, vielleicht sogar schreibend) vom Tisch gefallen, also vertikaler Schock, beim Aufprall sind die Schreib-/Leseköpfe so richtig auf die Platter gekracht und davon abgeprallt, die Platter haben sich weitergedreht (entweder aus Trägheit, oder weil die Stromzufuhr noch anlag), die Köpfe sind wieder draufgekracht, abgeprallt, Platter dabei weitergedreht etc., also die Köpfe sind an verschiedenen Positionen auf die Platter gekracht.

Für mich liest sich der Bericht der Datenrettungsfirma so, als hätten sie die Platter NICHT an einer anderen Festplatte oder wie auch immer auszulesen versucht, sondern nur an der defekten, nachdem sie die Köpfe getauscht haben.

Sharpy
 
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