Globalisierung – schöne neue Welt

Patmaniac

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Uns Deutschen geht es schon schlecht: Die Wirtschaft geht den Bach runter. Überall Entlassungen und die Angst, der/die Nächste zu sein. Da nimmt man gerne den Verlust von Urlaubs- und Weihnachtsgeld in kauf. Man ist schon froh, wenn man überhaupt einen Job hat. Als ob das nicht genug ist und man nicht so schon zu wenig Geld bekommen würde, schlug der Teuro entgegen den Versprechungen der Politiker überall kräftig zu. Der Blick auf die Speisekarte lässt einen jedes Mal den Atem stocken. Auch die Benzinpreise steigen kontinuierlich – uns Autofahrer kann Vater Staat ja schließlich melken. Toll diese Ökosteuer. So finanziert man die Rentner von heute. Und die Rentner von Morgen – was wird aus mir später im Alter? Ach ja, „Rente ab 67“ und „Kopfpauschale“ heisst die Lösung für die Zukunft. Natürlich…

Doch auch aus den Reihen der Arbeitgeber hört man überall nur das Stöhnen. „Zu hohe Arbeitskosten“, „keine Wettbewerbsfähigkeit“, „der Standort Deutschland ist in Gefahr“. Kein Wunder, die Löhne und Lohnnebenkosten sind in den osteuropäischen- und vor allem asiatischen Ländern ein Spott gegenüber unseren Arbeitskosten. Da hilft es auch nicht, dass Deutschland als ein Land der Facharbeiter bezeichnet wird. Was helfen schon gut ausgebildete Arbeitnehmer, wenn sie deutlich zu viel kosten? Schließlich muss der Manager einer Firma bei den nächsten Quartalszahlen ein stetiges Plus verkünden. Sonst werden die Aktionäre ganz schön sauer und man ist der nächste Übernahmekandidat in einer der vielen Fusionsschlachten. Gut, der Manager kriegt eine x-stellige Zahl als Abfindung auf sein Konto überwiesen, von der seine Angestellten nicht einmal zu träumen wagen. Aber man muss das schließlich in Relation setzen. Als Manager hat man ja viel Verantwortung zu tragen, in dem täglichen harten Kampf gegen die Weltkonkurrenz, „survival of the hardest“ sozusagen. Da müssen dann schon mal ein paar Köpfe rollen…

Apropos Weltkonkurrenz: Bei dem Wort „Globalisierung“ zucken wir sofort alle zusammen. Nur die Firmenbosse schnalzen beim Klang dieses Wortes mit den Zungen. Sofort denken sie an das Expandieren, Fusionieren und die Anhäufung ihrer Vermögen. Warum können wir diesem Prozess eigentlich nichts Gutes abverlangen?

Mal ein Versuch, der alle, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer, glücklich machen könnte:

Wir Arbeitssuchenden wandern in die Entwicklungsländer aus. Da werden wir sicher mit offenen Armen empfangen. Gut ausgebildete Kräfte kann man dort für den Aufbau gut gebrauchen. Und wir haben davon auch was: Teure Urlaube in die Karibik können wir uns sparen – wer will schon verreisen, wenn man die Tropen vor der Tür hat? Und zweifelsohne gibt’s unsere Lieblingsfrucht, die Banane, dort auch viel günstiger. So entrinnen wir nochmal dem Teuro…

Auch die Arbeitgeber dürfen sich freuen. Denn als Ausgleich dürfen die ehemaligen Einwohner dieser Entwicklungsländer dann nach Deutschland und in unseren Betrieben kostengünstig schuften. Hässliche Tarifverträge und Arbeitszeitbeschränkungen kennen diese Menschen sowieso nicht. Und man mag das kaum glauben, diese Menschen sind so flexibel, dass sie auch mit fast keinem Geld auskommen können. Ein Traum für die Arbeitgeber wird also wahr.

Na, gebt es zu, das klingt doch wirklich gut oder? Damit wären doch alle Probleme dieser Welt mit einem Schlag gelöst! Die Arbeitgeber können endlich wieder wettbewerbsfähig werden, die Arbeitnehmer baden im südchinesischen Meer, die Entwicklungsländer entwickeln sich schön kräftig und die armen Säue aus diesen Ländern haben endlich Arbeit. Und noch einen schönen Effekt hat das Ganze: Den Rechtsradikalen wird endgültig der Wind aus den Segeln genommen. Denn wenn sich alle Menschen in dieser neuen Welt schön vermischen, auf wen soll man dann noch sauer sein?

Also spätestens jetzt müsstest Du doch von dieser schönen neuen globalen Welt richtig angetan sein, stimmt’s...?

 
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