OEM vs. Retail Netzteile

ProphetCHRIS

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In den Foren liest man mittlerweile immer wieder über das Thema OEM Netzteile. Diese sind billig und kommen nur mit manchen Abschlägen daher. Kein Wunder also, dass die Computer-Fangemeinde immer wieder OEM Netzteile in kleinere Rechner baut.

OEM Netzteile haben den Ruf günstig zu sein, keinerlei Beigaben zu genießen, aber durchaus ihren Zweck zu erfüllen. Grund genug uns endlich einmal solche OEM Netzteile anzuschauen und mit Modellen für den Endkundenmarkt in so genannter Retailverpackung zu vergleichen. Zwischen OEM und Retail Netzteilen liegen hingegen Welten und deswegen sind sie wohl noch immer nur ein Geheimtipp im Forum und werden kaum in Reviews berücksichtigt..

Wer noch mehr über Netzteile erfahren möchte, dem sei unser letzter Netzteilroundup ans Herz gelegt. Dieser wird die eine oder andere Frage im Vorfeld klären können.

Für unseren Vergleich haben wir uns heute einmal mehrere Netzteile vorgenommen und auf die Chroma gespannt. Als Vertreter von OEM Netzteilen wird Seasonic an den Start gehen, denn diese werden wohl am häufigsten genannt. Zum Vergleich haben wir drei weitere Vertreter der kleinen Fraktion bestellt und haben mit dem Seasonic S12II, Antec Earthwatts und Corsair VX450 drei weitere erstklassige Vertreter dabei.

OEM Netzteile sind in Deutschland nicht in jedem Laden zu finden und verirren sich manchmal nur in Auktionshäuser. Hier hat SH-EDV den richtigen Riecher gehabt. Der Online Shop rund um PC Hardware hat nach eigenen Angaben die größe Auswahl an OEM Netzteilen von Seasonic. Kurzerhand hat uns SH-EDV für diesen Test drei der OEM Modelle nach Frankreich geschickt, um diese mal durch die Mangel zu drehen.

Zum Testequipment

Getestet wird auf einer Chroma, welche mit weitem Abstand die beste programmierbare Last ist, welches man für den Test von Netzteilen einsetzen kann. Wir haben früher versucht auf Lasten von Fast zu testen, welches aber ein eher „grobes“ Unterfangen war. Mit einer Chroma kann man Daten bis zu einen Zehntausendstel eingeben und ausmessen. Gepaart wird das Equipment mit einer AC-Quelle, welches für unseren Test hier eher unwichtig sein wird. Diese wird dazu gebraucht, verschiedene Eingangsspannungen zu generieren, welche ich für die Tests von Anandtech.com benötige. Wer mehr über das Equipment wissen möchte, der kann sich die Lektüre (in Englisch) auf AnandTech zu Genüge führen.

Mit einem Tektronix TDS3014B Oszilloskop werden wir Ripple und Noise messen, welches Auskunft über die Ausgangsqualität der Leitungen gibt. Darüber hinaus haben wir die Lautstärke eines jeden Probanten getestet, damit der Vergleich noch ein wenig einfacher ausfällt. Die Ausgangsstabilität haben wir in einem neuen Schema dargestellt, welches den Prozentsatz der Abweichung anzeigt. Es wird jeweils immer zwei Grafiken geben. Die erste wird die Abweichungen der 3,3 und 5,0V Leitung zusammen anzeigen, wobei die angezeigte Fläche immer der Raum ist, indem sich die Spannung bewegt hat. Das gleiche gilt für die zweite Grafik, welche die beiden 12V Leitungen anzeigt. Hier ist die aufgezeigte Fläche jeweils der Raum indem sich die Spannung bewegte. Bis 3% Abweichung ist die Fläche grün und färbt sich dann langsam rot, wenn es gegen 5% kommt. Außerhalb von 5% ist die Spannung außerhalb der Toleranz.

Auf zum Test...

[break=Antec Earthwatts - 430 Watt]

Antec Earthwatts - 430 Watt

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Antec schickt sein Eartwatts in einem kargen Grau in den Ring. Ein 80mm Lüfter sorgt in der Front für die Kühlung. Die Kabel wurden nicht ummantelt, welches zusammen mit dem mausgrauen Gehäuse einen sehr simplen Anschein macht. Die Stecker sind mit einem Abstand von 50cm aber durchschnittlich lang und für ein 430 Watt Netzteil gibt es genügend Steckverbindungen.

Das Netzteil hat zwei 12V Leitungen, welche mit jeweils 17 Ampere bestückt sind. Die maximale Kapazität der beiden 12V Leitungen gibt Antec mit 360 Watt an, welches bis in den gehobenen Mittelstand bei PCs reichen wird.

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[break=Test des Antec Earthwatts]

Test des Antec Earthwatts

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Das Antec Earthwatts hat die meiste Zeit über ein sehr angenehmes Betriebsgeräusch, weil sich der Lüfter bis hin zu ca. 340 Watt nur im Schneckentempo bewegt. Er fängt dann aber an, über 1800 U/min bis hin zu 2700 U/min zu rotieren und verursacht somit ein wahrzunehmendes Geräusch von 25dB(A).

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Die Effizienz steigt auf bis zu 84% an, welche aber erst bei höherer Auslastung vollbracht wird. Bei einem 430W Netzteil sind die 340W dann doch schon eine ganz schon hohe Hürde, die man nur mit einer Monitorauflösung von mehr als 1600 Pixeln gepaart mit einer Highend-grafikkarte zusammen bekommt.

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3,3 und 5V Leitung

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12V Leitungen

Die beiden kleineren Leitungen haben große Unterschiede. Während die 3,3V Leitung bei 3,41V steht und dann auch garnicht weit unter den Idealwert sinkt, ist die 5V Leitung wieder einmal das Sorgenkind des Netzteils. Sie fängt bei genau 5,0V an aber sinkt dann bei stetig wachsender Auslastung bis unter Spezifikation. Dahingegen ist die 12V Leitung sehr stabil gehalten und sinkt nur bis zu 2% unter den Idealwert.

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3,3V Leitung

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5V Leitung

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12V1 Leitung

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12V2 Leitung

Die Ripple und Noise Werte lagen bei dem Netzteil auf den beiden 12V Leitungen bei bis zu 16mV. Die 5V Leitung lag bei nur 4mV und die 3,3V Leitung hatte bis zu 18mV. Dies alles liegt aber noch weit unter den Vorgaben der ATX Norm.

[break=Corsair VX450 - 450 Watt]

Corsair VX450 - 450 Watt

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Corsair liefert sein neues VX450 in einer matt-schwarzen Lackierung aus, welche so rauh ist, dass hier fast keine Aufkleber dran halten. Der Rest des Netzteils ist ebenfalls schwarz gehalten und alle Kabel wurden schwarz ummantelt. Ein großer 12cm Lüfter kühlt das Innere des Netzteils und soll besonders leise sein.

Das Label zeigt eine einzige 12V Leitung an, welche mit 33 Ampere betitelt ist. Hier werden wir später noch etwas näher eingehen. Ansonsten kommt das Netzteil mit allen nötigen kabeln daher, welche mit einer Mindestlänge von 60cm gut bemessen sind. Ebenfalls ist ein 8 Pin Stecker vorhanden, welcher von der aktuellen EPS Norm vorgeschrieben wird. Nur, was hat dieser an einem 450W Netzteil zu suchen? Dieses Netzteil wird seinen Platz einfach nie in einer Workstattion wieder finden, wozu also der Stecker? Wenn dieser wenigstens zu einem 6 Pin Stecker umgebaut werden könnte, dann wäre mit diesem wenigstens eine zweite Grafikkarte zu betrieben, aber so klappt dieses nicht. SATA und Molex Stecker sind genügend vorhanden und werden auch in gut bestückten Systemen nicht zu knapp.

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[break=Test des Corsair VX450]

Test des Corsair VX450

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Das Corsair VX450 hat uns mit einer sehr leisen Geräuschkulisse überrascht. Bei leichter Last bis hin zu 350 Watt ist es so leise, dass man es kaum hören kann. Erst ab höherer last ab 350W fängt der Lüfter an schneller zu drehen und erreicht dann bis zu 1700 U/min, welches immernoch nicht sehr schnell ist. Die Komponenten werden hierzu recht warm, beim Raumtemperatur können die Kühler bis zu 70°C und bei heißer Umgebung von 50°C werden diese sogar bis zu 86°C heiß. Der Lüfter allerdings denkt nicht einmal daran schneller als 1700 U/min zu drehen. Dies ist für die angenehme Geräuschkulisse vorteilhaft, für die Langlebigkeit der Komponenten aber ein Knieschuss.

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Die Effizienz liegt wie erwartet bei ca. 85% bei mittlerer Last, welches bei diesem Netzteil ca. 220 Watt Ausgangsleistung bedeutet. Sie sinkt nach diesem Höhepunkt dann aber auch stetig nach unten und erreicht bei voller Auslastung dann nur noch 81%.

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3,3 und 5V Leitung

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12V Leitungen

Die Spannungsregulierung arbeitet bei dem VX450 ebenso gut auf der 12V Leitung wie bei dem vorigen Netzteil. Diese sinkt nur bis zu 2% vom Ideal ab. Die beiden kleineren Leitungen sinken ebenfalls ab, wobei die 5V Leitung stark gegen die untere Toleranzgrezne geht. Die 3,3V Leitung sinkt ebenfalls bis zu 5% ab, welches dabei auch gegen die unterste Grenze geht. Auch bei dem Corsair lagen die Ripple und Noise Werte weit unter den Vorgaben der ATX Norm.

[break=Seasonic S12II – 330 Watt]

Seasonic S12II – 330 Watt

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Das Seasonic S12II sieht auf den ersten Blick genauso aus wie das Corsair VX450: Die Lackierung ist die selbe und auch das Gehäuse ist genau gleich. Bis auf das andere Label und das Lüftergitter, welches auf dem 120mm Lüfter liegt, ist hier alles gleich gehalten. Der Lüfter ist genau wie bei Corsair auf einer Gummilagerung gehalten, welches wir schon vor Jahren bei selbstmontierten Netzteilen mit Pabst-Lüftern gesehen haben.

Auch bei dem S12II wurden die Kabel schwarz ummantelt, welches einen sehr guten Anschein macht. Die beiden 12V Leitungen sind hier ebenfalls mit jeweils 17 Ampere betitelt, obwohl dies nur ein 330 Watt Netzteil ist. Dafür ist dann die Gesamtleistung auf 288 Watt herabgesetzt worden, welches dann mit den 330 Watt Gesamtleistung harmoniert. So ganz mag man diese Vorgehensweise aber nicht verstehen, denn Sinn macht es nicht.

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[break=Test des Seasonic S12II]

Test des Seasonic S12II

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Genau wie bei den anderen Modellen fängt auch dieser Lüfter genau bei einer Auslastung von ca. 80% an schneller zu drehen. Die Lüftersteuerung wird also ebenso die gleiche sein. Das Betriebsgeräusch wird dann bis zu 25dB(A) laut, welches auch deutlich hörbar ist.

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Mit bis zu 85% Effizienz arbeitet das S12II hervorragend bei mittlerer Auslastung von ca. 160 Watt. Davor und danach muss es sich allerdings nicht verstecken und bietet von 80 bis 160 Watt mehr als 83%. Bei steigender Last sinkt die Effizienz dann im Gegensatz auf 82% bei voller Auslastung und 80% bei 10% Überlast.

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3,3 und 5V Leitungen

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12V Leitungen

Das S12II hat eine ebenso starke 12V Regulierung, wie die vorigen Netzteile. Die beiden 12V Leitungen agieren innerhalb von nur 1% um den Idealwert und weichen nur sehr geringfügig bei hoher Last ab. Die 3,3V und 5V Leitung sind hingegen nicht ganz so gut. Während die 3,3V Leitung innerhalb von 1,5% abweicht sinkt die 5V Leitung sehr stark ab und dies sogar unterhalb der Toleranz.

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3,3V Leitung

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5V Leitung

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12V1 Leitung

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12V2 Leitung

Auch das Seasonic S12II hat eine atemberaubende Ausgangsqualität und hat mit 20mV auf der 12V1 Leitung den höchsten gemessenen Wert erreicht.

[break=Seasonic OEM – 350, 400 und 500 Watt]

Seasonic OEM – 350, 400 und 500 Watt

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Die von SH-EDV gelieferten OEM Modelle von Seasonic kamen unverpackt, wie man es von Bulk-Ware her kennt, bei uns an. Es ist mausgrau und zur Kühlung wird hier ebenfalls ein 120mm Lüfter an der Unterseite eingesetzt. Das Gehäuse ist genau das gleiche wie das Corsair und das S12II auch, nur unlackiert. Es lässt sich also daraus schließen, dass es sich bei den OEM Modellen um genau die gleichen eben genannten Netzteile handelt und nur die Kabel anders gestaltet wurden.

Diese sind nämlich sehr viel kürzer und nicht so reichlich vertreten. Es ist schade, dass zum Beispiel bei dem 350W Modell nur so wenige Kabel vorhanden sind. Mit einem solchen Modell kann man locker einen Mittelklasse-PC betreiben, welches nun aber durch fehlende Kabel verhindert wird. Wenn man eine einfache Ausstattung hat, welche aus einer PCIe Grafikkarte, zwei Festplatten und ein oder zwei optischen Laufwerken besteht, dann kommt man aber noch sehr gut aus und sollte keine Probleme bekommen. Das fehlen der Kabelummantelung ist nicht weiter schlimm und mal ehrlich, wirklich gelöst hat eine Ummantelung noch wirklich nicht jedes Problem. Da reichen die Kabelbinder doch schon aus, welche Seasonic an die Kabel angebracht hat. Gut aussehen tut dieses sicherlich nicht, aber wegen des Aussehens kauft man sich ja eh kein OEM Netzteil.

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[break=Test der Seasonic OEM-Reihe]

Test der Seasonic OEM-Reihe

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Die Grafik dient als Generalbeispiel der drei Modelle. Sie arbeiten allesamt sehr leise uns starten erst bei höherer Auslastung mit wahrnehmbarer Geräuschkulisse. Bei einem Wert von bis zu 30dB(A) sind die Lüfter dann aber auch deutlich zu hören.

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350 Watt Modell

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400 Watt Modell

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500 Watt Modell

Das 400W Modell hat bei der Effizienz das Nachsehen und endet mit einem Prozentpunkt weniger als die beiden anderen Modelle. Aber auch hier hat das 350W Modell wieder die Nase vorn und kann mit bester Effizienz glänzen. Die beiden größeren Modelle sinken nach ihrem Zenit sehr stark ab und nur das kleinste Modell schafft es durchgehend über 82% zu bleiben. Dies mag daran liegen, da es vielleicht kleiner gelabelt wurde, als es ist. Es läuft somit bei ganz anderen Lasten, als wir auf es ausgeübt haben. Somit lässt sich die hohe durchgehende Effizienz leicht erklären.

[break=Test der Seasonic OEM-Reihe Forts.]

Test der Seasonic OEM-Reihe Forts.

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3,3 und 5V Leitungen 350W

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3,3 und 5V Leitungen 400W

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3,3 und 5V Leitungen 500W



Die Spannungen sehen auch bei den OEM Modellen von Seasonic ein wenig dürftig aus. Einzig das 350W Modell kann von sich überzeugen und bietet eine Regulierung innerhalb von 4% in den negativen Bereich hinein. Die anderen beiden Modelle sinken leider bis an den Rand der Spezifikation und darüber hinaus.

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Die beiden 12V Leitungen halten bei allen drei Modellen sehr nah am Idealwert fest und sinken nur beim 400er Modell an die 3% ab. Auch hier ist das 350W Modell wieder der Vorreiter einer guten Regulierung und geht erst bei höchster Auslastung ein wenig unter 12,0 Volt.

[break=Der Vergleich]

Der Vergleich

Okay, jedem Leser wird nun mittlerweile aufgefallen sein, dass unsere Auswahl an Kontrahenten nicht wahllos verlief. Schaut man sich die Innenräume einmal an, so wird man feststellen, dass alle Netzteile auf ein und dem selben Design basieren. Der originale Hersteller ist hier Seasonic, welcher für die beiden anderen Firmen herstellt. Nun wird auch der Grund deutlicher, warum wir einen solchen Test überhaupt veranstaltet haben. Wir wollten einmal zeigen, welche Unterschiede Netzteile aus einem Haus aber mit verschiedenen Namen haben. Wie wir auf den letzten Seiten sehen konnten sind die Unterschiede meist recht sichtbar. Man wird sich nun fragen, wie diese Unterschiede zustande kommen können, wenn das Design genau das selbe ist? Dies ist einfach beantwortet, es werden verschiedene Komponenten verbaut und genau diese machen den Unterschied.

Wir haben unseren Komponentenvergleich heute einmal auf die am besten sichtbaren Bauteile beschränkt, welches nun einmal die eingebauten Elektrolytkondensatoren sind. Diese Kondensatoren befinden sich einmal in großer Ausführung im primären Bereich und in mehreren kleineren Ausführungen im sekundären. Die Kosten der verschiedener Hersteller von diesen Bauteilen sind natürlich nicht gleich und genau deswegen finden sich solch unterschiedliche Preise bei Netzteilen wieder.

Wenn nun eine Firma eine neue Serie bei einem Hersteller bestellt, dann wird ein Budget festgelegt und nach genau diesem Budget werden dann die Komponenten herausgesucht. Der Käufer bekommt also nur das, was er bestellt. Nur, weil die Netzteile allesamt bei Seasonic vom Band rollen, müssen die Netzteile nicht gleich zwangsweise alle die gleiche Qualität und Performance aufweisen und genau dies ist durch unseren heutigen Test sehr gut verdeutlicht worden.

Weitere Unterschiede neben den verbauten Komponenten auf dem PCB sind natürlich auch die verbauten Lüfter. Hier haben wir ebenfalls verschiedene Ausführungen gesehen, welche sich zwischen einem 80mm Lüfter in der Rückseite und einem 120mm Lüfter an der Unterseite ansiedeln. Antec hat hier als einzige Firma auf einen 80mm Lüfter gesetzt, welches ansich nicht schlecht ist, aber das Problem an dieser Ausführung sind die Kühlkörper, welche nun einmal für den Einsatz eines 120mm Lüfters an der Unterseite konzipiert sind. Bei vorigen Messungen haben wir an den beiden Antec-Kühlkörpern bis zu 95°C gemessen, wohingegen die anderen Ausführungen bis zu 20°C weniger auf die Waage bringen.

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Der Vergleich der Lautstärke zeigt, dass sich Seasonic bei den OEM Modellen nicht die besten Lüfter herausgesucht hat. Dies ist bei einem OEM Modell sicherlich auch zu legitimieren, da diese für den Einsatz in Komplettrechnern vorgesehen wurden. Für die OEM Modelle haben wir stellvertretend für alle die grüne Kurve eingesetzt. Antec hat die türkise Kurve, Corsair die rote und das Seasonic S12II die blaue.

Die Retailmodelle haben dagegen eine bessere Geräuschkulisse. Sie werden nicht laut, sind mit bis zu 24dB(A) aber noch deutlich zu hören. Corsair hat hier die Nase vorn, da der Lüfter fast garnicht anfängt richtig zu drehen. Er trödelt mit leichten 800 U/min dahin und fängt erst bei äußerster Auslastung an wirklich Gas zu geben und wird dann auch entsprechend laut. Dies ist dann aber auch dringend nötig, da der sekundäre Kühlkörper dann eine stolze Temperatur von mehr als 80°C haben kann.

[break=Der Vergleich Forts.]

Die Effizienz ist im Vergleich recht aufschlussreich, denn sie ist der sichtbarste Faktor von hochqualitativen Komponenten im Netzteil. Auf den ersten Blick können wir sehen, dass Antec mit den Nippon Chemicon, Teapo und RLX Kondensatoren nicht so viel Glück hatte, obwohl Nippon Chemicon eine der besten Firmen für diese Bauteile ist. RLX sehen wir zum ersten Mal in einem Netzteil und vielleicht wird die etwas niedrigere Effizienz auch an diesen liegen. Teapo kommt in fast jedem Netzteil vor, und an diesen wird es wohl kaum liegen. Vielleicht sind es aber auch die Gleichrichterbrücken und Spulen, die hier ein wenig ausbremsen.

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Die anderen Netzteile machen allesamt einen sehr guten Eindruck. Sehr gut zu sehen ist aber auch, dass das aktuelle Design von Seasonic einfach nicht die 85% Grenze knacken kann und sicherlich auch nie wird. Hierzu verwendet Seasonic viel zu oft ein und das selbe Design und verbessert es nur an manchen Stellen. Mit 85% wird es wohl das Höchste sein, was wir von diesem Hersteller sehen werden.

Von der Effizienz her haben das Seasonic S12II 330W und das Seasonic 350ET OEM Netzteil am besten abgeschnitten. Dies ist keine Überraschung, da Seasonic sich natürlich die besten Komponenten für seine eigenen Netzteile spart. Es ist hingegen aber eine Überraschung, dass das kleine „billige“ OEM Netzteil so gut abschneitet. Wenn Seasonic dieses mit ein paar mehr Steckern versehen hätte, dann wäre dies ein sehr gute Empfehlung von uns werden können.

Wiederum komisch anzusehen ist, dass alle Netzteile aus dem heutigen Test über gleichstarke 12V Leitungen verfügen. Sei es ein 330W oder 500W Netzteil, alle haben die 17A auf jeder der beiden Leitungen. An dieser Stelle sei auch noch einmal angedeutet, dass Corsair auf dem Label zwar nur eine 12V Leitung anzeigt, dies bei dem selben Design der PCBs aber sehr fraglich ist. Wir sind der Sache auf den Grund gegangen und haben das Corsair-Netzteil genauso wie die anderen Netzteile mit zwei separaten Leitungen getestet. Wir haben kontinuierlich zwei verschiedene Spannungsausgänge bei den Leitungen messen können, welches darauf schließen lässt, dass es auch zwei Leitungen sind. Die Angabe von 33A macht dies auch deutlich, da die Hälfte von 33 nun einmal knapp 17A ist.

Wir haben nun einmal nur den ATX Stecker mit der Chroma verbunden und haben hier in der tat die eine 12V Leitung mit 30 Ampere belasten können. Deren Spannung fiel dann zwar außerhalb der Spezifikation, aber es hatte geklappt. Weiter gekommen sind die dann aber trotzdem nicht, weil bei allen anderen Seasonic Netzteilen dies ebenfalls möglich war und unsere Chroma bei 30 Ampere die eigene OPP einsetzte. Bewiesen ist hierdurch aber, dass Seasonic keine oder eine sehr hohe OCP hat. Corsair wird hier also eher einen kleinen Unterschied zu dem baugleichen S12II aufzeigen wollen, auch wenn dieser nur auf dem Papier zu sehen ist.

Die Ripple-Ergebnisse haben wir heute nicht bei allen Netzteilen sichtbar eingefügt, da zwischenzeitlich die Anbindung an den PC für die Screenshots nicht mehr verfügbar war. Alle Netzteil haben diesen Test aber bestanden, da sich jegliche Ergebnisse innerhalb der Toleranz aufhielten.

[break=Der Vergleich Forts.]

Bei der Ausgangsstabilität haben wir wieder sichtliche Unterschiede sehen können. Hier zeigt Seasonic im Allgemeinen arge Schwächen auf den kleineren Leitungen. Die beiden 12V Leitungen werden straff reguliert und weichen nur selten mehr als 1% vom Ideal ab. Dies ist bei allen Modellen gleich, hier gibt es keine Unterschiede durch Bauteile wie Kondensatoren. Die Ausgangsspannung wird durch den PWM-Kontrollchip geregelt, welcher in diesem Fall auf allen PCBs gleich sein wird.

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Bei den Preisen sehen wir nicht sonderlich große Unterschiede und können diese einfach gegen das Gebotene vergleichen. Das Antec Earthwatts mit 430 Watt gibt es ab ca. 58 EUR. Das Netzteil läuft stabil und hat eine geringe Geräuschkulisse. Die Kabelauswahl ist ausreichend und wird genügend Komponenten versorgen.

Das Corsair VX450 ist mit knappen 59 EUR das teuerste Retailmodell unseres Vergleiches, hat dafür aber auch am meisten zu bieten. Es hat einen zusätzlichen 8poligen EPS Stecker, welcher bei dieser Leistung vielleicht fehl am Platze ist. Es bietet dafür aber auch zwei SATA Steckern mehr als Antec. Die Geräuschkulisse ist hingegen etwas niedriger und auch die Effizienz ist um einen Prozentpunkt höher. Damit hat Corsair bisher die Nase vorn.

Mit dem Seasonic Eigenprodukt S12II hat man natürlich die besten Eigenschaften im eigenen Produkt vereint. Wir haben das 330 Watt Modell getestet, welches damit natürlich auch mit nur 44 EUR den geringsten Preis der Retailmodelle hat. Die Effizienz und die Spannungsstabilität suchen ihresgleichen wo hingegen die Lautstärke ein wenig höher liegt als die anderen Modelle.

Bei den OEM Modellen muss man hingegen abwägen. Diese sind sicherlich ein wenig günstiger als die Retailprodukte, haben aber deutlich weniger Stecker zu bieten. Die fehlende Lackierung wird für den versierten Benutzer völlig egal sein, aber fehlende Stecker sind hingegen nicht so leicht zu verkraften. Die Leistung hingegen war sehr gut und das von allen getesteten OEM Modellen. Das kleinste Modell hat hier die beste Spannungsstabilität und die beste Effizienz geboten. Das 350 Watt Modell ist bei SH-EDV mit nur 43 EUR vertreten, das 400er Modell mit 49 EUR und das größte Modell mit satten 73 EUR.

Das mittlere Modell der OEM Gruppe ist sehr gut mit den Retailmodellen zu vergleichen. Dieses hat eine ähnliche Leistung, aber weniger Stecker, dafür kostet es aber auch 10 EUR weniger. Wer hier also auf die schicke Lackierung verzichten kann, der ist mit dem Modell sicher am besten beraten. Wer aber doch schon ein paar Stecker, schicke Lackierung, Kabelummantelung und 5 Jahre Garantie haben möchte, der ist bei den Retailmodellen mit dem Corsair VX450 sehr gut bedient, da dieses die besten Werte im Test ablieferte.

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