Internetforen

Bokill

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[H2]Internetforen: Weltweite Ideenbörsen oder Soma für die Geeks?[/H2]
Über die Kunst eines lebendigen Forums und seine Community... Potenzial/Chancen für die Zukunft

Soma = Ideale Droge scheinbar ohne Nebenwirkungen, aus dem Utopischen Roman von Aldous Huxley, Brave New World, 1932

Dieser Artikel begibt sich auf völlig andere Pfade als sonst von Planet 3DNow! Artikeln gewohnt. Hier wird nicht die CPU-Architektur, oder ein Systemlink betrachtet. Auch Fertigungstechnik ist dieses mal kein Thema. Es geht um das große Thema Mensch & Technologie und Gesellschaft. Aufmerksame Leser von "Bokill's Senf" dürfte dies aber schon aufgefallen sein, denn dies ist allgemein als Threadthema schon einmal aufgegriffen worden. Selbst auf Artikelebene ist dies nicht der erste Artikel "RFID für Alle..." . Die Themen hatten aber mehr mit Gesellschaft und Infrastruktur zu tun und mit Datensicherheit, der Mensch selbst war da nicht zentral in der Betrachtung.
[H3]Worum geht es nun? Medienbruch, Neue Welten?[/H3]
"Irgend etwas bestimmtes wird mit Foren und ICQ angesprochen, Menschen vor 100 Jahren konnten ja auch ohne Internet leben, aber sie hatten etwas ganz anderes, Lesezirkel, Parteien, Verbände und Vereine. Es muss also etwas viel tieferes sein, wenn die "Neuen Medien" genutzt werden." Zitat aus einer "PM"

Wir befinden uns derzeit in einem Medienumbruch. Fernsehen hat jahrzehntelang das Radio auf die Plätze verwiesen, Videokassetten und DVD knabberten zwar an der Konsumzeit von Fernsehen, aber diese waren immer noch zwingend auf den Fernseher als Bildschirm angewiesen. Auch hatte das Fernsehen immer den Vorteil der Aktualität und Vielfalt. Aber genau diese Vormachtstellung wird nun bedrängt... vom Computer, oder wie einige Meinungsmacher in bestimmten Medien schreiben... vom " Kompjuuter". Die Konsumsättigung vom Fernsehen liegt schon jahrelang bei fast 100%. Der Zugang zum Computer liegt noch nicht bei dieser Sättigung. Die Vernetzung von Computern mit dem Internet ist auch noch nicht so weit.

Dennoch ist seit geraumer Zeit aus dem Militär/Wissenschaftsmedium Internet ein Expertenmedium geworden und seit jüngster Zeit der Tummelplatz von allen möglichen Nichtexperten (Der Autor dieser Zeilen gehört auch dieser Masse der Nichtexperten an, da ja in Deutschland immer irgend ein Zeugnis mehr zählt, als die erworbenen Fähigkeiten jenseits des toten Papiers). Und dennoch gewinnt dieses Medium immer mehr Zugkraft. Der jüngste Wahlkampf der "Demokraten" in den USA zeigt ja schon welche Zugkraft dieses Medium hat. Andere Meldungen könnte man als versiegende Lebenskraft des Fernsehens ansehen, denn so richtig ist die Digitalisierung des Fernsehens immer noch nicht in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Wenn es Leo- Kirch nicht gegeben hätte, wäre die Verbreitung von Digital TV irgendwo bei knapp 0 %. Wenn vielen das Fernsehen so am Herz liegt, weswegen schrecken so wenig auf, dass bald das klassische Analogfernsehen abgeschaltet wird? Es sagt mir vor allem eines, Fernsehen ist viel weniger Information, und noch mehr Unterhaltung. Es reizt auch viel weniger zur Aktion an, als der Computer mit dem Internet.
[BREAK=Angriff der Killertomaten, TV-BSE]
[H3]Angriff der Killertomaten, TV-BSE[/H3]
Worin besteht der Reiz des neuen Mediums. Ich fand eine wunderhübsche Passage von Telepolis, die es nicht besser wiedergeben könnte.

"Aber zwischen einem Computer und einem Fernseher gibt es einen großen Unterschied: Der Fernseher kann nur das empfangen, was von den Sendeanstalten ausgewählt wird. Der Computer aber kann genutzt werden, um Inhalte zu schaffen - Programme, Dokumente, Bilder: Medien jeglicher Art, die mit anderen Computernutzern getauscht werden können."​

Und genau darum soll es gehen, um die aktive Nutzung des Internets und die Gestaltung von Inhalten. Fernsehen ist passiv wie das Betrachten von Lagerfeuer. Genauer betrachtet ist es sogar noch passiver als Lagerfeuer. Ein Feuer muss gehegt und gepflegt werden, Schüren und Nachlegen sind dabei aktive Elemente. Der elektronischen Kiste reicht der lockere Dreh aus dem Handgelenk und der sanfte Druck auf die Fernbedienung. Das Internet mit seinen Foren hingegen ermöglicht den Meinungsaustausch. Und zwar in einer gigantischen Artenvielfalt gegenüber dem das Fernsehen nur verlieren kann. Das geht mit dem schlichten Stilmittels eines Smilies :) oder verbalen "Suuuucks" *lol* *chatt* bis hin zu eigenständigen Aufsätzen und Threadansammlungen, die gedruckt ein eigenständiges Buch abgeben würden. Aber Volumen selbst ist ja kein Qualitätszeichen, das Netz ist voll von Rekordversuchen den längsten Thread zu gestalten, den dümmsten Kommentar zu schreiben und das fetteste Foto zu verlinken, so dass Modembesitzer zu Verzweiflungstaten getrieben werden...

Aber genau diese destruktive Konsumhaltung kann das Internet zerstören. Aus den Couch-Kartoffeln sind nun Internetnutzer geworden. In Massen sind die Couch-Kartoffeln zu "Killer-Tomaten" mutiert. Sorgenvoll hochrot gestresst betreten diese Killertomaten - mit dünnen Fragen und wenigen nahrhaften Infos - das neue Medium 'Forum'.

Da sitzen sie nun zwischen den alten Kämpen der ersten Stunde und den Geeks, die aktiv Inhalte gestalten. Verstärkt wird die Invasion der Killertomaten durch günstige Festnetztarife per DSL (Flatrate) und das totale Abtauchen des Fernsehens in rinderwahnauslösende "Unterhaltung". Wobei ich erwähnen muss, dass der Videotext und sein Journalismus ein echter Fortschritt sind. Nur weswegen verzieht sich dort ein großer Teil der TV-Intelligenz?
[H3]Nutzerprofile, Usertypen.[/H3]
Vom Infojunkie bis zur guten Seele, vom Techforum bis zum Partykeller

Ich versuche erst mal eine Sammlung der verschiedenen Foren & Nutzer und deren Erwartungen. Denn die Nutzer entscheiden letzten Endes über den Erfolg von Foren. Die Reihenfolge der Typen ist keine Wertung, auch sind einige Begriffe Eigenschöpfungen. Diese Auflistung ist demnach kein "Fakt" nur weil es schwarze Buchstaben sind, die vom "Verleger" breit publiziert sind. Es soll anregen, provozieren & nachdenklich stimmen. Wenn ich den Stein der Weisen gefunden hätte, dann läge ich in den Neuseeländischen-Alpen mit einem Tropic-Longdrink in der Hand und mit einer feschen Neuseeländerin neben mir... aber dies ist offensichtlich eben nicht der Fall ;-)
[BREAK=Nutzerprofile, User]
[H2]Nutzerprofile, User[/H2]
[H3]Infojunkie[/H3]
"Ich hab früher die C't immer mal gelesen und seit ein paar Jahren ein Abo. Aber in letzter Zeit brauch ich für eine C't nicht mehr 3 oder 4 Stunden, um alles durchzulesen - zu den Themen, wo ich früher wirklich lange dran gesessen hab (weil interessant) hab ich heute schon so viel zu gelesen, dass die Artikel fast schon langweilig sind (die C't Artikel können eben auch nicht so stark auf technische Dinge eingehen)." Zitat per EMail

Eine bessere Beschreibung für ein Computerforum kann man in meinen Augen gar nicht machen. Aktuell, kritisch, tiefgründig und dennoch kurzweilig. Der Nachteil eines Technikforums liegt lediglich im nicht vorhandenen Inhaltsverzeichnis und dem Bootvorgangs des Rechners. Denn noch ist es nicht so weit, dass man auch eine Zeitschrift auf Papier booten muss.
[H3]Troll[/H3]
Trolle sind für eines gut... Streit. Hin und wieder mag dies ja lustig sein, folgende Zitate belegen dies beispielhaft.

Bemerkung Bokill: "...aber hin und wieder entwickeln sich köstliche Flames... So gute und vorhersehbar, dass 6 sich streiten und die anderen 94 sich genüsslich die Chips holen, ne Coke und n Bier und sich dann genüsslich hinsetzen. Hat was von einer Soap ... hmmm so gesehen auch ein ganz hintertückischer Grund für Foren... Streit life sozusagen ..."

Antwort intel_hasser: "...Hast du schon mal so unterhaltsame Comedy gesehen? Ich sag doch - die Klasse macht`s"

Aber nur für die Chipstüte einen Streit vom Zaun zu brechen, kann auf Dauer kein Forum vertragen. Einige wenden sich angewidert ab, da ihnen nicht nur an Entertainment gelegen ist. In den Spaßbereichen mag dies ja noch tolerabel sein, aber in inhaltsschweren oder beratungsintensiven Forenteilen leidet, meiner Meinung nach, der eigentliche Inhalt. Was nützt einem normalen Windows-Nutzer der "kostbare Rat" "mit Linux wäre dies nicht passiert". Genauso sinnentleert bei Servicethreads sind Kommentare wie folgender: "Ich hätte ja einen Intel genommen" wenn jemand Probleme mit einem AMD-System hat. Sinnentleert sind die Reaktionen auch umgekehrt ;-)

Da hilft nur eines... Ignorieren, "don`t feed the trolls". Gutgläubige Naturen versuchen dies noch per PM hinzubügeln, aber meistens hat ein Moderator hier sein Einsatzgebiet. Er verteilt gelbe und rote Karten wie ein Schiedsrichter; hin und wieder können dabei auch Fehler passieren, doch das ist eine andere Geschichte.

Meiner Meinung nach sollte aber kraftvoll zugegriffen werden. Ein Troll kann ein ganzes Umfeld vergiften. Gut möglich, dass dann weitere Trolle aus den Löchern kriechen... nur weil man einen Troll zu zärtlich behandelt hat. Gegen schlichte persönliche Abneigung haben viele Foren auch die ganz praktische Einrichtung "Ignorieren" eingeführt. Funktioniert hervorragend auf P3D, 3DCenter, Heise.de ... und erspart so manchen dicken Hals. Wenn die Gegenseite häufig sinnvoll zitiert wird, dann könnte man seinen persönlichen Bann überlegen... könnte glatt sein, dass man selber die Ursache für den Streit ist ;-)
[H3]Unfallopfer & Pannenhelfer & Pannenhilfe[/H3]
Unfallopfer: Dieser Nutzer ist schwer einschätzbar, da viele von ihnen vermutlich erstmals ein Forum für Hardware aufsuchen. Sie haben ein ernstes Problem. Mag es noch so trivial sein, sie brauchen Hilfe, denn alleine schaffen sie ihr Problem nicht. Es kann auch gut sein, dass sie ungeübt mit einem Forum sind. Hardwarebeschreibung ist meistens auch mangelhaft. Meiner Meinung nach sollte dies alles gar kein Hindernis für freundliche Antworten sein. Denn diese Nutzer können potentielle wertvolle Mitglieder sein.

Allerdings treten doch auch Unterschiede hervor. Manche schreiben ohne Punkt und Komma. Andere wählen einen Dialekt, nicht wirklich hilfreich... und vor allem hält dies potentielle Helfer zurück. Wünschenswert ist natürlich, dass solch ein Neuling sich im Forum ungeschaut hat... aber mit Panikschweißperlen auf der Stirn lässt sich nur noch begrenzt frei denken. Das laute Brüllen nach der Suchfunktion hilft auf keinen Fall weiter. Und unfreundliche Kommentare über Rechtschreibung kommen in diesen Momenten eher einem Schlag in das Gesicht gleich.

Cephei (Community-Mitglied bei P3D) hatte schon ganz Recht: eine freundliche Ansprache wirkt Wunder. Es tut nicht weh zu fragen, ob sonst alles OK ist. Die Panikschweißperlen verschwinden zwar nicht von selber, aber so kommt der Hilfesuchende auf die Idee mal ein Tuch für seine Panikschweißperlen zu nehmen... sich zu entspannen. In dieser Situation sind die Mitglieder auch so etwas wie Psychologen. Es ist auch, meiner Meinung nach, wichtig, dass man sich selbst Zeit nimmt. Man übernimmt auch Verantwortung, zwar nicht im juristischen Sinne, aber wenn man schon angefangen hat jemandem zu helfen, dann sollte man am Ball bleiben. Bei einem Reifenwechsel ziehe ich ja auch nicht mittendrin den Wagenheber weg, weil ich keine Zeit mehr habe.

Aber eine Bringschuld haben die Hilfesuchenden auch. Falls das Problem gelöst wird, ist ein schlichter Dank notwendig für die Gemeinschaft. Lob ist die Währung für Hilfe in Foren, so eine kleine Egospritze kann Wunder wirken. Wenn dann noch solche Namensschussel wie ich, dann ziemt es sich sogar noch, den Helfenden mit Namen "anzusprechen". "@hjkl... THX :-)", dann ist dem nächsten Hilfe gewiss ;-)
[BREAK=Nutzerprofile, User (Fortsetzung)]
[H3]Pausenclown & Partylöwe & Gelegenheiten[/H3]
Auf jeder Party gesucht und auch immer zu finden. Auch sie sind in Foren zu finden, natürlich in jenen Ecken, wo der Unsinn fröhliche Partys feiert. Unterhaltung ist eine starke Triebkraft, denn es muss ja Gründe haben, weswegen Fernsehen Nutzer an des Internet verliert. Zappen ist ja auch was feines und was die Fernbedienung kann, kann die Maus schon lange.

"...Ich such mir doch nicht extra ein Forum für CPUs, eines für Chipsätze, eines für tiefgründige Diskussionen etc. - die Masse führt zur Vielfalt und manchmal entdecke ich ein gutes Thema nach dem ich sonst nicht mal gesucht hätte und es kommt ein schöner Thread zustande" Zitat intel_hasser.

Ich kann da nur wenig dazu sagen, da ich mich zu selten in diesen Bereichen eines Forums aufhalte, aber hin und wieder geht dort die Post ab. Der Partykeller ist so wichtig für die Gemeinschaft, wie erster Mai und Neujahr... solange die Kernkompetenz nicht nur der Partykeller ist. Bei Partykeller.de ist naturgemäß Partykeller auch die Kernkompetenz ;-)
[H3]Kommunikator/Schlumpfine (im besten Sinne)[/H3]
Diese Gruppe ist neugierig auf die menschlichen Aspekte. Sie sind den menschlichen Problemen aufgeschlossen und sind auch bereit einen privaten Ton zu wählen. Sie können Foren das berühmte "Lagerfeuergefühl" geben. Man fühlt sich einfach wohl, auch wenn eben "off Topic" gesprochen wird. Dies bedeutet aber eben nicht, dass ein flegelhafter Ton provoziert wird. Im Gegenteil, nur wer ernst genommen werden will, muss auch andere ernst nehmen. Wenn ein Forum eine sehr persönliche Ebene ermöglicht, dann fühlen sich diese Kommunikator-Personen zufrieden.

"ich möchte zumindest die MÖGLICHKEIT haben, auch mal über mich reden zu können, wenn mir danach ist oder ich eine andere Meinung zu irgendetwas brauche." Zitat Community-Mitglied P3D

Und wenn diese Gruppe sich vom Bauch her zufrieden fühlt, so strahlt dies auch auf die anderen Forenmitglieder aus.

"Meine Anteilnahme ist ... selbstverständlich, ich wurde dazu erzogen, dass man sich auch für andere Leute freuen kann und sich auch für andere Leute interessiert, für deren Gedanken, für deren Arbeit, für deren Wohlergehen." Zitat Cephei über die Form der Ansprache. Ein fröhliches "Hallo wie steht`s" tut nicht weh und erzeugt positive Atmosphäre. Dies gilt auch für ein Lob, oder das Zitieren von wirklich gelungenen Passagen. Manche empfinden ja auch ein diebisches Vergnügen dabei signaturtaugliche Passagen zu kreieren.

Echte Anteilnahme ist doch schon ein positives Gefühl, verzweifelte Momente hat ja jeder schon empfunden. Aber es sind auch Begrenzungen da, derer man sich im Forum auch bewusst sein sollte. Ein Chat kann da noch persönlicher werden. Allerdings sollte man sich im Klaren sein, dass hier doch körperliche Grenzen vorhanden sind. Man spricht zwar in Echtzeit, aber man kann nicht die Gestik, Geruch, körperliche Anwesenheit erspüren. Das Forum kann noch viel weniger in dem individuellen Echtzeiterlebnis mit einem Chat mithalten.

"... wobei ich persönlich immer noch den Chat vorziehe, da man dort Gleichgesinnte findet, die einem ZUHÖREN, die für einen da sind. Da gab es bisher hier im Forum nur wenig Beispiele (nur z.B. der Thread Mein Leben). Außerdem redet man im Chat meist eins zu eins oder in der kleinen Chatclique, das ist mir persönlich lieber als mit 10 oder 20 Leuten zu diskutieren. Im Chat findet man durchaus echte Freunde, im Forum... glaub ich eher nicht. Weil da das Thema, über das man reden soll, schon festgelegt ist..." Zitat Cephei.

Aber die Komponente Zuhören ist ein ganz wesentlicher Punkt. Wo findet man heute schon noch Zuhörer? Vor 100 Jahren waren Parteien, Vereine, Klubs die Orte der Diskussion und des Meinungsaustauschs. Foren und Chats ermöglichen jedenfalls neue Möglichkeiten. Befinden wir uns in einem Paradigmenwechsel? Marcus Hammerschmitt lässt diese Frage mit seinem Artikel "Virtuelle Beziehungen - existenzielle Entfremdungserfahrung oder neue Qualität des Begehrens?" in mir aufkommen, der einen brandaktuellen Artikel auf Telepolis geschrieben hat.

"Der Kitt, der unsere Gesellschaft emotional zusammenhält, verändert seine Konsistenz, man experimentiert mit ihr, und wir experimentieren alle fröhlich mit. "Beziehung" heißt es immer noch, "Liebe", "Freundschaft" usw. - und doch entsteht vor unseren Augen ein neues Paradigma der Bezüglichkeit selbst." Zitat aus dem Artikel von Marcus Hammerschmitt.

So weit gehen mag ich nicht mit dem Paradigmenwechsel, denn Zuhören ist wirklich eine wichtige Eigenschaft, unabhängig vom Medium. Und wenn man wirklich physisch in Kontakt treten will, dann kann man ja immer noch aus der Anonymität heraustreten und Adressen und Telefonnummern tauschen.
[BREAK=Forengattungen]

[H2]Forengattungen[/H2]
[H3]Foren als Marktplatz[/H3]
Klassisch ist die Nutzung der Foren für Handel & Vertrieb von Waren. Ebay ist nur die extremste Ausprägung davon. Je größer ein Forum, desto attraktiver ist dies für alle Seiten. Wenn ein gewisser Ruf vorhanden ist, dann bauen auch andere Seiten darauf. Aber da es um Geld geht, müssen strengstens die dortigen Regeln auf allen Seiten eingehalten werden, sonst wird das Forum sehr schnell wertlos.
[H3]Foren als Informationsbörse[/H3]
Neben dem Marktplatz das ursprünglichste Einsatzgebiet. Manche Seiten haben eine Newsseite, damit sie ein hübsches Deckblatt für den Forenteil haben ;-). Eine Redaktion kann naturgemäß aber auch nicht so schnell sein. 1000 Augen sehen mehr als 10 Augen und Redakteure sind verpflichtet, die Nachrichten nach Wahrhaftigkeit abzuklopfen. Ein Gerücht lässt sich in sekundenschnelle schreiben, aber dies aus der Welt zu schaffen ist nahezu unmöglich. Außerdem kennt niemand die Intention einer Nachricht.

Leitfragen?

Ist diese wirklich aus informierten Kreisen? Warum lecken ausgerechnet nun die sonst dichten Quellen? Wer hat Nutzen aus dieser "Nachricht" Warum wurde diese Nachricht ausgerechnet dort platziert? Welche Folgen sind auf diese Nachricht zu erwarten?

Eigentlich selbstverständliche Fragen für Journalisten... aber auch von "Nachrichtenberichter" in Foren können diese Fragen gestellt werden. Ein eigener Kommentar, der zudem die News klar vom eigenen Kommentar abhebt, prägt den Stil eines guten Forums. Aber Schnelligkeit ist natürlich reizvoll, man kann auch so lange eine News hinterfragen bis sie zur "Olds" herangereift ist... der Leser möge dies daher nur als ein Appell an die Wahrhaftigkeit verstehen. Manchmal steckt hinter einer Neuigkeit/Nachricht auch mehr als eine Wahrheit ;-)

Stilfragen?

Wenn Kommentare zu den Nachrichten erscheinen wie "boah alder... succckkks..." oder ähnlich sinnentleerte Kommentare, dann weiß ich eines ganz genau... Raus hier! Für mich ist dies nur ein Hinweis, dass die Maus schnell bedient werden kann, aber nicht welche Tiefe in den "Nachrichten" steckt.

Ganz bedauerlich wird es dann, wenn sogar Administratoren sich der gleichen Ideentiefe bedienen. Auch sollten die Moderatoren solche Formalien ernst nehmen, denn wenn sie selber solche Stilfragen wie Zitieren & Kommentieren nicht ernst nehmen, können sie dies dann von den Mitgliedern fordern? Ich denke nicht.
[H3]Foren als Bolzplatz[/H3]
Nirgendwo kann man besser schwadronieren als in einem Forum. Da man niemanden kennt, braucht man auch kein Blatt vor dem Mund zu nehmen... oder etwa doch? Was nützt es zu schwadronieren, wenn keiner mehr diesen Senf lesen will? Oder nur noch Berufsschwadronöre das Forum umdrehen und alle aufeinander dreschen. Bei Stichworten MS, Linux, AMD, Intel kann man sich fast sicher sein, dass religionsartige Flamewars vom Zaun gebrochen werden. Einige Foren habe ein streichstarkes Moderatorenteam, andere Foren führen zusätzlich ein Bewertungssystem ein. Bewertungssysteme habe den Vorteil, das die Nutzer werten. Bewertungssysteme haben aber auch den Nachteil, dass sie wirklich auch genutzt werden müssen.
[H3]Foren als psychologisches Strategiespiel[/H3]
"Nirgends woanders sind Planung und Umsetzung so eng miteinander verbunden - hält man eine Rede oder einen Vortrag, plant man eine lange Zeit und Tage, Wochen oder Monate später führt man es dann aus - die Resonanz dauert dann oft noch mal so lange. Bei einem Forum plant man hingegen ein paar Minuten oder eine halbe Stunde und bekommt aber oft genauso prompt die Reaktion zurück. Das ist wie der Evolutionsschritt von rundenbasierten Strategiespielen zu den Echtzeitgames" Zitat intel_hasser.

Auch Neuigkeiten und Gerüchte werden rasend schnell verbreitet, manchmal ist aber nicht die "Geheime Nachricht" das Entscheidende, sondern der Umgang mit den Nachrichten. Eine Ebene die vielfach unterschätzt wird, es ist halt eine ganz perfide Abart von dem Spiel "Stille Post"..

[BREAK=Fazit]
[H2]Fazit[/H2]
Was soll die subjektive Zusammenstellung von Nutzern und Forenteilen? Vermutlich sind nicht mal alle möglichen Nutzer und Forengattungen angesprochen worden. Und für wen sind alle diese Profile gelistet worden?

Nun, ich will alle Beteiligten ansprechen, die ein lebendiges aktives Forum haben wollen. Vieles mag direkt auf Planet 3DNow! übertragbar sein. Aber ich denke vieles geht über P3D hinaus. Meines Erachtens ist ein Wertungssystem ein guter Beitrag gegen die Trollmanie. Ich jedenfalls schaue mir dort keine Postings mehr an, die schlecht gewertet wurden. Positiv bewertete werden umgehend besucht.

Mir persönlich ist es schlicht ein Rätsel weswegen einige Fanatiker in Nachrichten Sachen hineinposten, die deren ursprüngliche Zielgruppe nur als Beleidigung verstehen muss.

Es kommt mir so vor wie jemand, der mit Absicht in eine Ökosiedlung mit vier Autos einzieht, den Garten mit Zierrasen und Waschbeton "verschönert", chemische Kampfstoffe gegen die Natur anwendet, an jeder Ecke des Gartens Gartenzwerge postiert und dann beim Giftspritzen lauthals "Na nä nä nä!" ruft. Was soll das?

Das Netz steckt derzeit in einer kleinen Krise. Aber nicht Wachstum ist das Problem, sondern der Egoismus einzelner in Verbindung mit den vielen unerfahrenen Neulingen, die dank "Flatrate" das "neue" Netz besuchen.

Wie können die Seitenbetreiber darauf reagieren? Wie können die aktiven Mitglieder aktiv eingebunden werden? Denn das Internet erscheint mir viel zu wertvoll, um dessen Potenzial verkommen zu lassen.

"Ich persönlich finde es schlicht geil, wenn Gedanken und Ideen weltweit in Sekunden verbreitet werden können ... da bieten sich noch unglaubliche Chancen an." Zitat Mitglied P3D per PM.

Mein Vorschlag ist zum Angriff der "Killertomaten" ist ganz schlicht. Killertomaten waren wir mal alle mal. Unerfahren und problembelastet fragt solch eine "Killertomate" hochrot, gepeinigt vom Stress die anderen Forennutzer. Naturgemäß empfinden viele alte ehrwürdige Altnutzer diese Fragen als zu wässrig und nährstoffarm. Eine einzelne Tomate ist ja harmlos, aber die Masse macht halt das eigentliche Problem daraus. Der Seitenbetreiber provoziert Qualität, schafft Angebote, stellt Fragen an die Nutzer, fordert sie!

Das Internet ist ein aktives Medium. Dies ist die Stärke, aktive Mitglieder wie Kommunikator & Schlumpfinen, Unfallopfer & Pannenhelfer und Infojunkies werden diesen Schritt bestimmt auch unterstützen. Wenn sie einsichtig sind, und dies werden die meisten aktiven Mitglieder sein, dann werden sie die Neulinge hegen und pflegen, denn auch sie haben klein angefangen. Wenn ein Moderator zu hart eingegriffen haben sollte oder gar einem Irrtum erlegen war, dann werden sich die aktiven Mitglieder auch gegen die zu harten Strafen der Moderatoren wenden... aber stilvoll, wie sie es vom Forum bisher auch gewohnt waren. Ein aktives Forum hat halt auch teildemokratische Züge und hält Kritik aus den eigenen Reihen stand. Und dadurch bleibt ein Forum ein Gesamtkunstwerk von Verantwortlichen und Mitgliedern und beständig in Bewegung.

Mit freundlich Grüssen Martin Bobowsky, auch als Bokill in den einschlägigen Foren bekannt. Dieser Artikel ist ein Aufruf zum Handeln. Sowohl für die Nutzer als auch die Anbieter der Foren.

Natürlich danke ich auch Planet 3DNow! für die Möglichkeit, hier publizieren zu können, ebenso "intel_hasser", auch bekannt als Mr. Intel-Hater, "Cephei" :-) und auch Antje A.S. ;-), sowie "TinyRK" und "DOTL" für die Unterstützung.
 
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