Interessante wirtschaftlich-/politische Situation - türkischer vs. spanischer Bauboom und -niedergang

Hephaistos

Admiral Special
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Die spanische, sowie die türkische Wirtschaft sind auf Basis von "Bauboom" (anderes Wort für auf Kredit gezahlte Häuser die von mit Kredit gezahlten Gehältern amortisiert werden sollen) und generell einem auf Kreditkarte basierendem Konsum aufgebaut.

Dann platzte die spanische Blase und alle haben es auf die EU und den Euro geschoben. Ob bzw. wie weit das stimmt können wir jetzt in begrenztem Maße nachprüfen. Natürlich ist es keine 1 zu 1 Situation, aber die Mentalitäten sind immerhin ÄHNLICH (nicht gleich natürlich) und die Situation ist sehr ähnlich.
Bau- und Konsumboom auf Pump. Was ich leider nicht genau weiß, ist wie viel % des gepumpten Geldes ausländisches Kapital ist. Im Falle Türkei ja anscheinend fast alles. Im Falle Spanien war es, soweit ich mich richtig erinnere, aber auch um die 70-80%. Aber wenn da jemand bessere Informationen und Wissen hat. Her damit.

Was man, wenn man mal vom Stammtischgerede wegbleibt, dem Euro ja eigentlich nur WIRKLICH vorwerfen kann, ist, dass er in solchen Situationen, auf Grund des relativ fixen Wertes, nicht ausgleichend wirken kann. Denn WAS passiert normalerweise: Wärung sackt ab. Inflation also. Je Nach Art der Volkswirtschaft hat das unterschiedliche Auswirkungen. Hat man ein Land, dass seine Nahrung halbwegs selbst produziert und nur technik. etc importiert, ist das alles halb so schlimm. TV, Hifi, Auto, aber auch Benzin, werden natürlich viel teurer, aber man sollte immer noch in der Lage sein, sich sein täglich Brot kaufen zu können. Ist natürlich auch das importiert, wirds kritisch und der Staat muss (bei Benzin allerdings auch) helfend einspringen. Über Verkauf von Gold, oder teure Kreditaufnahme. Diese sollte man natürlich nur aufs Nötigste beschränken, da man sonst gleich nach einer Regeneration wieder an den sehr hohen Zinsen krankt.

Durch den niedrigen Wert der Währung, werden aber auch die zu exportierenden Produkte viel günstiger für Einkäufer im Ausland -> Wirtschaft regeneriert sich wieder.

Viele wissen das sicher, viele aber auch nicht. Daher noch mal schnelle zusammenfassung viele Details außer Acht lassend:

Wirtschaftsblase platzt auf Grund von zu viel Krediten -> Währung geht runter -> Importe werden teuer/Exporte aber attraktiver -> kurbelt die Wirtschaft wieder an.
Je nachdem wie also eine Volkswirtschaft wirtschaftet passiert sowas weniger stark oder schwach. Aber passieren tut es immer. In Wellen. Der Staat hat da nur mäßigen Einfluss. In solche extremen Fällen wie Spanien oder Türkei hat er aber große Schuld da er auf diese Kreditausgaben nicht BREMSEND, sondern BESCHLEUNIGEND einwirkte. Warum? Weil man sich so eine tolle Wirtschaftspolitik auf die Fahne schreiben kann. Was machen Erdogan und Konsorten? (und es KLAPPT leider):

Sie sagen: WIR haben euch Arbeitsplätze und Wirtschaftsmacht gebracht (Sie haben nur Ausgaben auf Pump gepusht) und die ANDEREN (EU, Euro, Ausländer) sind JETZT Schuld das es bergab geht. Dabei ist es in wirklichkeit GANZ NORMAL, das eben die Schulden irgendwann zurückschlagen. Man KANN auf Schulden eine Wirtschaft aufbauen ohne das es kracht. Aber das könne FIRMEN, die das ganze MANAGEN und das GANZE kontrollieren. Eine Volkswirtschaft ist viel zu unkontrolliert als das das klappen kann. Außer mit Glück oder es ist ein sehr kleines Land.

Also sind diese angeblichen "Wirtschaftsparteien" die GUT für die Wirtschaft sind, MEIST (nicht immer) eigentlich die schlechten Wirtschafter. Das rafft nur keiner -> Problem wird sich wohl nie lösen sondern immer weiter gehen.



Jetzt zurück zum Thema:

Spanien konnte nicht durch sinkenden Währungswert ihre Exporte hochfahren und dadurch wieder regenerieren. Also MUSSTEN die anderen Euro Mitglieder helfen. WIR z.B. Ist das sooo schlecht wie alle heulen? Nicht unbedingt. Das ist reine Mathematik:
Sind die KOSTEN für Spanien höher, als die EINSPARUNGEN durch die gemeinsame Währung? In diesem Beispiel gehen wir mal davon aus, dass ja. Warscheinlich sogar deutlich geringer. (Was WIR als ungerecht empfinden, ist einfach der FAKT, dass diese ÜBERSCHÜSSE nicht bei uns normalen Leuten ankommen und wir aber nicht verstehen, dass es nicht daran liegt das wir Griechenland und Spanien helfen, sondern einfach nur weil die Großen sich nehmen ohne was zu geben.). Gehen wir aus dem Euro raus, haben wir immer noch genau dieses Problem und wir haben nichts gelöst.

Jetzt werden wir sehen ob die Türkei schneller aus der ganzen Affähre rauskommt, ODER, was ich befürchte, in einen "Frühling" reinbegibt. Also politische INSTABILITÄT auf Grund von eigentlich normalen, nur stärkeren, wirtschaftlichen Schwankungen.


Falls das passiert frage ich euch: Seid ihr lieber in einem Land wie Spanien, wo trotzdem nicht gleich radikale Extremisten an die Regierung kommen, da wir in einem stabilien, wenn auch unfairen Europa leben (was aber nicht am Euro liegt), ODER in einem Land, dass dafür instabil wird?

Jetzt noch die "Lösungen" und Probleme mit dem Euro:


Wie ihr seht ist eine eigene Währung dafür gut das man solche Schwankungen ausgleichen kann. Inflation kann auch etwas gutes sein. Allerdings hilft das nur, wenn es dem GANZEN Land entsprechend schlecht oder gut geht. Der Euro ist aber eine Währung vieler Länder. Manchen geht es gut. Manchen geht es schlecht. Also bräuchten wir eine GEMEINSAME Wirtschaftspolitik. Das wird nicht das Problem der Schwankungen lösen, aber wir können gemeinsam darauf reagieren. Die Qualität dieser gemeinsamen Wirtschaftspolitik ist natürlich dann wichtig. Ist es Spanien/Türkei-wir-Pushen mit Krediten (Denke da an Parteien wie die FDP) oder eine die etwas gemäßigter vorgeht. Diese braucht natürlich auch ein VOLK, welches nicht gleich heult "Die CHINESEN HABEN ABER 10% und wir nur 2% WACHSTUM ICH WILL DIE FDP WIEDER" um danach zu heulen. Das ist ein BILDUGNSPROBLEM ;) Anderes großes Thema...
Falls man das nicht macht, und keine gemeinsame Wirtschaftspolitik betreibt, muss man eben mit Rettungspaketen gegenseitige Hilfe leisten. Das KANN funktionieren, wenn es richtig gemacht wird. Die EU macht das grade das ERSTE mal in der GESCHICHTE. Ich denke dafür läuft es noch HALBWEGS gut ab. Wichtig wäre nur ob wir was fürs nächste mal draus lernen ;)
Alternativ wären wieder viele kleine Länder mit vielen Währungen bei denen jeder vor sich hin krieselt und/oder boomt. Und wer mal Konzernbilanzierung studiert hat und weiß wie viel wir damit sparen, nur eine Währung zu haben, weiß, das sich das warscheinlich in der Summe nichts nimmt.


Alles in allem merkt ihr aber bestimmt: Am Ende kann jedes System funktionieren. Es kommt auf die Politik an und wie stark sie BREMSEND und FÖRDERND wirkt (Politik sollte eigentlich das GEGENGEWICHT zur Wirtschaft sein und es nicht noch unterstützen) und auf die Bevölkerung und ob sie das System versteht und die richtigen Parteien unterstützt. Dafür müssen diese Völker allerdings auch gebildet sein und ihr Wissen nicht nur aus dem Kommentarteil der großen Zeitungen beziehen. Da tummelt sich nämlich wirklich fast nur der dümmste Trollverein rum, der keinerlei Ahnung hat.

Man darf nicht nur die Wirtschaft im Vergleich reinbeziehen, sondern auch politische Stabilität und FRIEDEN (auch wenn in Europa viele danach lechtzen, weil sie das so lange nicht mehr hatte. Diesen Gestalten, die z.B. MEHR WAFFEN UND "VERANTWORTUNG" für DEUTSCHLAAAAAAND fordern, sollen doch einfach bitte in die Fremdenlegion gehen und sehen wie schön es ist den Horror des Krieges erleben zu müssen)



Ich persönlich glaube, dass wir noch nicht bereit für eine gemeinsame Währung waren/sind. Einmal weil wir keine gemeinsame Wirtschaftspolitik fahren und zweitens weil die Menschen zu unwissend sind und anstatt bei Problemen wie sie jetzt geschehen die WAHREN URSACHEN zu finden und auszumerzen, sondern lieber alles auf den Euro als solchen schieben ohne zu wissen WARUM.

Jetzt ist es allerdings so, dass wir den Wechsel nunmal getan haben. An alle "WIR TRETEN AUS" Brüller: Wir KÖNNTEN das tun. Das wird nur ein so dermaßen unglaublicher Aufwand der so unglaublich teuer wird, dass wir den Gürtel alle für LANGE Zeit (5-10 eher 15 Jahre) enger schnallen können. Und danach wirds zwar bergauf gehen, aber eben auch nur wieder so weit hoch wie wir davor die 5-10 eher 15 Jahre abgestürzt sind. Der Depp denkt wieder "Aber es geht doch bergauf weil der Euro weg ist, dabei gleichen wir wieder nur was anderes aus und danach geht die Schoße wieder los. Nur in kleinem Maßstab.

Weg 2: Wir lernen mit einer gemeinsamen Währung zu leben und VOR ALLEM mit ihr umzugehen im Sinne von richtig damit zu arbeiten und GEMEINSAM damit zu arbeiten. Das kann super klappen (wohl eher nicht so doof wie wir Menschen sind und wieder die falschen wählen) oder eben etwas länger. Aber ich glaube selbst Weg 2.2 (länger) ist immer noch besser und vor allem konsistenter als ganz aus der Währung auszutreten.

Wir haben den Weg gewählt (und bitte jetzt nicht rumkrakelen "ICH ABER NICHT", das bringt NICHTS. Es IST GESCHEHEN) und wir müssen ihn jetzt gehen. Also anstatt alle rumzupiensen sollten wir anfangen uns auf den Arsch zu setzen und richtig mit dem Geld umzugehen und seine Vorteile zu nutzen und seine Nachteile so klein wie möglich zu halten. Das ganze geht nur wenn wir nicht nur schauen was die Politik HEUTE tut, sondern sich vor allem zu MERKEN, zu ERINNERN "Was sind die URSACHEN der Probleme HEUTE und WER hat sie verursacht. Denn wirtschaftspolitische Entscheidungen haben LOCKER einen Verzug von 2-10 Jahren.

Dieser viel zu lange Post hat fast alle anderen Einflüsse außer Acht gelassen (Das ZUsammenspiel mit anderen Volkswirtschaften, Kriege, große Firmen die reinpfuschen etc.). Also könnt ihr euch vorstellen WAS für ein schwieriges Thema das ganze ist. Ich denke man sollte den ganzen Volkswirten, auch wenn sie oft unrecht haben (warum sieht man ja an der Komplexität) ein bisschen Respekt zollen. Ich bin froh das ich das nicht studiert habe ^^
Man sollte aber auch sehen, das man niemals radikalen Parteien die Macht geben sollte, denn diese können UNMÖGLICH etwas besser machen. Es ist einfach zu komplex. Solange wir keinen kompletten Systemwechsel vollziehen, sind radikale Parteien keine Alternative (An ADF denk). Und Systemwechsel heißt nicht "Nur Deutschland", sondern eher weltweit :)

Im Mittelteil habe ich folgendes gesagt:
(Was WIR als ungerecht empfinden, ist einfach der FAKT, dass diese ÜBERSCHÜSSE nicht bei uns normalen Leuten ankommen und wir aber nicht verstehen, dass es nicht daran liegt das wir Griechenland und Spanien helfen, sondern einfach nur weil die Großen sich nehmen ohne was zu geben.)

DARAN müssen wir arbeiten. Wir können 10 mal aus dem Euro raus. Wird nix ändern. Egal was wir an der Wirtschaft ändern. Was nutzt es wenn wir 10% Wachstum bekommen aber trotzdem alle 10% wieder an die oberen 10.000 gehen? NICHTS. Null. Vieleicht bekommen wir 1-2% ab und gut ist.

Der Türkei kann ich nur wünschen, dass sie sich nicht von ihrem Erdoidioten einlullen lassen bzw. aufheizen lassen, sondern ihre Rezession als das hinnehmen was sie ist: Ihr eigener Fehler im Umgang mit Krediten, und sich ganz normal in den nächsten 10 Jahren rausarbeitet und das nächste mal besser aufpasst. Denn im Grunde genommen haben wir normalen Bürger es selbst in der Hand: Wenn wir aufhören auf Kredit Dinge zu kaufen, dann werden wir ein ruigeres Leben haben. Vieleicht gibt es keinen super WACHSTUMSSCHUB, aber dafür gibt es danach auch keinen wiederlichen Niedergang. Und ich behalte Lieber mein Leben lang meinen Job anstatt 5 Jahre viel zu verdienen und dann 5 Jahre nichts ;)

Man wird sehen, ob es ein Vorteil ist nicht den Euro zu haben. Natürlich hat die Türkei noch den großen Vorteil immer noch ein Schwellenland zu sein. Also wird es leichter aus der Kriese kommen und weiter nach oben schießen (können). Spanien dagegen ist mehr oder weniger gesättigt. Aber ich prophezeihe, dass die Türkei nicht unwesentlich weniger, trotzt ihrere Vorteile im Bezug auf derzeitigen Wirtschaftsstand, straucheln wird als Spanien. Wir müssen lernen, dass nicht der Euro das Problem ist. Auch nicht die EU. Das Problem sind die Mächte die wir damit spielen lassen. Und Parteien wie die FDP, ADF, und generell alle die gerne SChulden machen wenn es der Wirtschaft eigentlich gut geht (uns gehts gut, CDU/CSU/SPD fahren hoffentlich die Staatsausgaben runter nicht hoch) sollten gemieden werden. Die Linken sind wohl auch nicht besser, da diese trotz eigentlich guter wirtschaftlicher LAge auf Pump sozialie Pakete schnüren würden. Das ist zwar ganz nett, aber nicht der richtige Zeitpunkt. Der Wirtschaft geht es gut und wir sollten einfach mal schauen das wir es schaffen, dass wir jedes Jahr soviel mehr Gehalt bekommen wie unsere Firmen wachsen ;)


EDIT: Achja jetzt habe ich fast den eigentlichen Sinn vergessen. Sorry mein Fehler *Asche auf mein Haupt*:

Damit das ganze nicht ausartet und wir eh nicht die ferne Zukunft voraussehen können wollte ich mal Ideen von euch hören wie man das ganze VERBESSERN kann (mittelfristig erstmal) und unsere Ideen am Beispiel Türkei und Spanien halbwegs abgleichen können. Wer andere Länder und deren Situationen hat die da reinspielen: IMMER HER :D

Ich habe ja mein Bild im Kopf des ganzen Systems. Weiß aber auch das es absolut unvollständig ist, weil man ja nie alle Faktoren mit einbeziehen kann. Ich freue mich auf neue Ideen und Gedanken die mir inzwischen nicht mehr einfallen. Meine Ideen habe ich (viel zu lang ich weiß, war aber viel erklärendes dabei) vorgelegt und denke man kann einiges davon in den nöchsten Jahren an der Türkei und Spanien abgleichen. Her mit euren Ideen. Ich will mal wieder frische, politische Ideen hören die nicht auf EU, Euro Bashing aufbauen. Jeder sollte dem anderen auch sagen können was daran falsch ist bzw. wieso es nicht klappen KÖNNTE (wissen tun wir eh nix) und es ist in diesem Topic VERBOTEN zu sagen "Nein so ist es nicht". Man sollte sich immer den Funken im Hinterkopf behalten, der sagt "Mhhhh ja auch wenn cih es absolut nicht glaube, es könnte passieren - warum auch immer".

Schönes Wochenende. Gehe jetzt zu Freunden Kochen. Freue mich auf eure Posts
 
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