Gedanken meines Lebens.

smileyyy

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Heute ist wieder einmal so ein Tag in meinem Leben, an dem der Drang meine Gedanken der Welt weiterzugeben zu groß ist, um ihm Einhalt zu gebieten.
Und hier scheint mir ein guter Platz für eine Diskussion über eben jene Gedanken, welche ich weiter unten niederzuschreiben gedenke. Ich bitte euch inständig darum, nur ernstgemeintes und durchdachtes zu posten, denn sonst artet dies wahrscheinlich zu einer der vielen "Diskussionen" aus, die ich hier so oft schweigend "übersehe". Damit gemeint sind Rechtschreibfehler par excellence, oberflächliches Gewäsch, antworten, ohne genau zu lesen und zu guter Letzt, oder sollte ich besser sagen "schlechter", reiner Spam, um mich dieses ausdrucksstarkem Wortes zu bedienen.

Nach dieser Einleitung wird wohl die Hälfte der Leser schon den Zurück-Button geklickt haben, und das ist auch gut so! Doch nun zum eigentlichen Grund meines Beitrages.

Wie sicherlich den meisten hier bekannt ist, wohnen wir in einer Welt, der wir tagtäglich mehr zusetzen, ihr immer mehr abverlangen, ohne sie dafür sozusagen zu "entschädigen". Hiermit meine ich in erster Linie Umweltverschmutzung, Artensterben durch uns Menschen verursacht und vieles mehr. Die Liste ist endlos.

Hierzu kommt mir übrigens ein Zitat des ehrenwerten Albert Schweitzer in den Sinn.

"Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen."

Nun wird sich manch einer denken: "Oje, ein Greenpeace Fanat, der versucht Leute zu werben oder ein hoffnungsloser Weltverbesserer." Weit gefehlt. Ich gedenke mit diesem Text nicht Leute zu werben oder zu beschuldigen, auch nicht das wiederzukauen, was uns tagtäglich über Radio und Fernsehen eingetrichtert wird. Nein, nichts von alledem. Mein einziges und hoffentlich nicht allzuhoch gestecktes Ziel ist es, euch etwas klarzumachen was, wie ich jetzt zu behaupten wage, schon der Großteil von uns vergessen zu haben scheint.

Einem hier durchgeführten Poll nach zu urteilen, befindet sich der Wohnsitz 90% der hier regestrierten Member in Deutschland und 10% wohnen im kleinen Österreich. Nicht dass diese Zahlen wichtig wären, aber behalten wir uns doch die Länder im Gedächtnis.
Unsere, aus rund 10000 Köpfen bestehende, Community bildet meiner Meinung nach eine repräsentative Gruppe der Deutschen und Österreicher in Bezug auf Weltanschauung und Religion. (Definitiv nicht für Computerwissen und ähnliches, doch das steht hier nicht zur Debatte)
Wenn der geneigte Leser sich bis hierher mit mir zumindest grob einverstanden erklärt, so möge er immerhin fortfahren.

Kommen wir nun zum Wesentlichen. Jeder von uns besitzt aller Voraussicht nach einen Pc (soll eine Anspielung auf den Reichtum sein), wohnt in einem Haus/Wohnung und kann sich eines gesicherten daseins erfreuen. Viele von uns, mich eingeschlossen, wohnen auch noch im Elternhaus. Nun wären wir schon bei Punkt eins angekommen.

Ein gesichertes Dasein

Ist euch bewusst, was das bedeutet? Wir sind das glückliche Drittel der gesamten Menschheit, das diesen Gedanken ein Leben lang im Hinterkopf hat (haben darf). Man korrigiere mich wenn ich mit 1/3 falsch liege.
Weiters können wir uns aufgrund unserer guten finaziellen Stellung so viel Lebensmittel wie nötig, und Tonnen mehr leisten. Auf Kosten anderer wie man beachten sollte.
Um dem noch eins draufzusetzen können wir uns beinahe alles kaufen was wir wollen. Wie karl Marx einmal sagte:

"Der Reichtum unserer Gesellschaft basiert auf der Armut der dritten Welt."

Wollen

Vielleicht kennen einige von euch das Modell der Bedürfnispyramide aus dem Schulunterricht, an die anderen eine kurze Erklärung.

t6.jpg


Wie manch einer schon bemerkt haben wird, können wir bis zur Spitze Vordringen. Zwar wird Training und Intelligenz vorausgesetzt, aber den meisten unter uns sollte es wohl gelingen, eines oder anderen Tages die Selbstverwirklichung erreicht zu haben.

Der Großteil der Erdbevölkerung steht am Fuße und sieht die Spitze nicht

Doch darüber denkt unsereiner ja nicht einmal nach, denn irgendwie hat etwas mit der Installation des Catalyst 3.10 nicht geklappt und man bekommt jetzt nur 13998 Punkte im 3DMark 2001 anstatt der gewünschten 14000, bei dem übrigens in der rechten unteren Ecke einer der provokativsten Sprüche die ich jemals las, implementiert ist.

"Framerate is life"

Ich kenne selbst dieses Gefühl, die Framegeilheit, doch man sollte sich vor Augen führen, dass es schon so weit gekommen ist, das man Nachts nicht ruhig schlafen kann, weil sich am Abend der PC nicht mehr starten lässt. Welch eine Tragödie. Andere Menschen, und das sind derer sehr viele, schlafen nachts auch nicht ruhig. Aus anderen, fundamentaleren Gründen. Aber wenn kümmerts. Mir geht es ja gut.

Auch wenn es schwierig ist diese Einstellung abzulegen und noch viel schwieriger ist etwas gegen diese Übel zu tun, so sollten wir uns doch zumindest damit beschäftigen. Einer unter Millionen hat vielleicht die zündende Idee. Um dieser Bitte mehr Kraft zu geben möchte ich zwei Menschen zitieren, die es geschafft haben, meine Worte in bessere zu kleiden.
Haltet sie euch vor Augen!

Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun. (Jean Baptiste Moliere)

"Nichts auf der Welt ist so mächtig, wie eine Idee deren Zeit gekommen ist." (Victor Hugo)

Die Zeit ist längst reif, nur die Menschen leider noch nicht.

Dies waren jetzt Beispiele, Anspielungen und Bitten meinerseits, dich ich einfach niederschreiben musste. Und um dem Leser, der ja derjenige ist, den ich zu erreiche suche, nicht im Unklaren über meine Person zu lassen, folgen nun einige eher persönliche Zeilen, denn wenn der Autor sein Herz vor der Leserschaft verschließt, so will ich das Buch nicht lesen oder seine Gedanken nicht überdenken. ich könnte mir vorstellen, dass es Einigen hier ebenso ergeht wie mir.

Ich kann den Zeitpunkt zwar nicht genau definieren, doch ich denke es war vor einigen Jahren, als ich das erste Mal wirklich über Gott und die Welt nachzudenken begann.

Bis heute entwickelte sich in dieser Zeitspanne derjenige, der dies hier alles niederschreibt.

Lösungen fand ich in diesen Jahren wenige, dafür umso mehr Fragen.
So habe ich zum Beispiel keine feste Meinung zu Gott.
Ebenso glaube ich an beinahe nichts. Außer an den Willen des Einzelnen, der die Welt verändern kann, Toleranz und Liebe. Ebensowenig kann ich mir unsere Welt erklären und den Sinn unseres Lebens werde ich wohl nie erfahren. Zumindest hier nicht.

Und doch danke ich jeden Abend Gott aufs Neue für seine Barmherzigkeit mir gegenüber, der ich ihm wohl schon öfters Grund zu Wut gab. Weshalb ich zu Gott bete und doch nicht fest an ihn glaube, kommt daher, dass ich einfach jemandem für mein unübertreffliches Glück, aus einem inneren Zwang heraus, danken muss.
Doch finde ich dieses Danken nicht annähernd so wichtig wie das Handeln im Sinne dieser Gedanken
Ich hoffe demjenigen, durch mein Leben und Schaffen, das zurückzuerstatten bzw zu bezahlen, das er mir einst so großzügig schenkte. Doch möchte dieser jeemand überhaupt bezahlt werden? Wenn nicht so sehe es als Dankeschön.
Auch muss ich gestehen, dass ich mir keines groben Fehlers bezüglich meines Handelns bewusst zu sein, und das wird beinahe jedem von uns so gehen, doch unterliege ich hier möglicherweise einem großen Irrtum, wie Thomas Calyle einst sagte.

"Der schlimmste aller Fehler ist, sich keines solchen bewußt zu sein." ( Thomas Calyle 1795-1881)

In diesem Sinne meine Freunde, toleriert eure Mitmenschen wie sie sind, oder helft ihnen besser zu werden. Setzt euch für sie nach Kräften ein und helft ihnen ein guter Mensch zu werden. Behandelt eure Kameraden auf dieser Erde (Tiere sowie Menschen) wie ihr selbst behandelt werden möchtet, auch wenn dies manchmal sehr schwerfällt.

Denn: "Wir sind alle Engel mit nur einem Flügel - um fliegen zu können, müssen wir uns umarmen." (Luciano De Crescenzo)
 
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Schwarzmetaller

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Hallo,

und erstmal Respekt für diesen Gedankenanstoß, da bleibt mir eigentlich fast nichts mehr zu sagen als
*unterschreib*

MFG
Schwarzmetaller

In diesem Sinne meine Freunde, toleriert eure Mitmenschen wie sie sind, oder helft ihnen besser zu werden. Setzt euch für sie nach Kräften ein und helft ihnen ein guter Mensch zu werden. Behandelt eure Kameraden auf dieser Erde (Tiere sowie Menschen) wie ihr selbst behandelt werden möchtet, auch wenn dies manchmal sehr schwerfällt.
 

Krümmelmonster

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Heute ist einer der Tage, an denen ich mich in das Turmzimmer meines Palastes sehne, jenem erhabenen Ruheraum mit den gepanzerten Scheiben und dem weiten Blick über meine Ländereien mit dem Meer im Hintergrund. Dieses Jahr bin ich nicht nur ein Weihnachtsverweigerer, sondern fühle mich geneigt, mich dem Jahreswechsel gleich hinterherzuverweigern. Am besten in jenem Turmzimmer eben, abgeschottet vom lärmenden, versoffenen Pöbel.

schön geschrieben smilley
 

smileyyy

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Nun, erstmal danke, dass ihr euch die Mühe gemacht habt, dies zu lesen. Dass nicht alles vollkommen richtig ist, ist mir bewusst, doch überlegt doch einmal ob das nicht einen Denkanstoß bezüglich "zu allem Ja und Amen sagen" darstellen könnte...
 

Redcliff

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servus,

schöner, nachdenklich machender post, dem eigendlich auf ganzer linie zugestimmt werden muss...
mich würde interessieren wie alt du bist?
 

JK_MoTs

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smileyyy,

über solche Dinge und Fragen habe ich auch schon oft nachgedacht, jedoch hätte ich diese nie auch nur annährend so gut zum Ausdruck bringen können wie du !

Hochachtungsvoll,

JK_MoTs :-/
 

smileyyy

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Nun, ich dachte mir schon, dass diese Frage nach dem Alter auftaucht. Ich bin zur Zeit 16 1/2 Jahre alt und würde mir wünschen, dass dies auch so bleibt, aber die Zeit lässt sich ja bekanntermaßen nicht beeinflussen, und außerdem hat doch auch das Alter sein Gutes.

Jk-Mots, warum bist du so pessimistisch gegenüber deiner Schreibgewandtheit? Ich denke du könntest deine Gedanken ebensogut in Worte fassen. Und was wäre schlecht daran, wenn du es nicht könntest? Es gibt so viele Dinge die ein Mensch nicht kann. Wenn es in deinem Fall das Schreiben wäre, so kommen auf diesen kleinen Nachteil wahrscheinlich ein Dutzend Vorzüge.

Smileyyy
 

soulmanager@W:E

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IMO zwar doch etwas pathetisch geschrieben, aber ein schöner Beitrag, der sich auch hinsichtlich Rechtschreibung gut lesen lässt (;D ;))!

Ich teile Deine Gedanken (besonders in Punkto "Gesichtertes Dasein") und sehe Deinen Beitrag als erfreuliche Abwechslung in diesem Forum! :)

IMO könntest Du aber in den einzelen Punkten auch gerne noch tiefer ins Detail gehen!





sm
 

smileyyy

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Beginnen wir mit Friday:

Ich würde es sehr zu schätzen, wenn du meinen Namen richtig schreiben würdest, aber das sei dir überlassen. Die Seite habe ich mir angesehen, werde jedoch nicht schlau daraus. Kann man sich anmelden? Was genau macht ihr, außer Wahrheiten aufzuschreiben? habe diese Sendung nie gesehen, also verzeih mir.

Zu Soulmanagers Post: Pathetisch? Natürlich.

Auf welche Punkte spielst du an? Habe nichts dagegen.

Smileyyy (mit drei "y", einem "l" und viel Freude)
 

soulmanager@W:E

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Original geschrieben von smileyyy
Zu Soulmanagers Post: Pathetisch? Natürlich.

Auf welche Punkte spielst du an? Habe nichts dagegen.
Was Dir beliebt!
Dein Beitrag enthält ja (leider "nur") ein paar Anrisse - aber interessant sind sie IMO alle. Lediglich die "Glaubensfrage" interessiert mich eher anbei.
Aber Deine Gedanken zum "gesicherten Dasein" haben mich sehr angesprochen!






sm
 

Krümmelmonster

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@smileyyy ;D
naja einfach vom schreibstil herzu zu urteilen bist ja nicht blöde..

man muss die sendung nicht gesehen.. haben, is aber einfach ein kleines feines forum..

wird diskutieren unter anderem über sachen wie
warum können sich goldfische nur 30 sec zurückerinnern und haben so das spannendste Leben der Welt?
oder philtrum die kleine vertiefung in der oberlippe
oder
der gleichgewichtssinn besteht ja aus drei bögen, also für jede dimension im raum eine. mal angenommen, man könnte einen vierten bogen "installieren", könnte man dann die 4. dimension "erfühlen" (egal, ob die 4. dimension jetzt zeit oder noch eine andere im raum ist), so wie man bemerken kann, ob man jetzt auf dem kopf steht oder nicht?


und halt sonstiges zeug..
wir suchen immer leute die spass daran haben ein bisschen klugzuscheissen.. und über andere sachen zu diskutieren wie autos fussball video games etc
wobei diese sachen.. z.b pc auch nicht zu verachten sind
 

Scoob

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Einfach Leben. Das Leben ist zu kurz um sich soviele Gedanken zu machen. Geniese einfach jeden Tag in diesen wundervollen Leben. Es ist doch nicht wie warum oder was. Wichtig ist das man gesund und glücklich ist.
 

smileyyy

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Einfach Leben. Das Leben ist zu kurz um sich soviele Gedanken zu machen. Geniese einfach jeden Tag in diesen wundervollen Leben. Es ist doch nicht wie warum oder was. Wichtig ist das man gesund und glücklich ist.

Meine erste Frage an dich ist einmal, ob du meinen Text wirklich gelesen hast, denn ich kann es mir einfach nicht vorstellen.

Es geht dir gut, und das ist auch gut so, nicht?

Du bist eben einer von jenen, welche ich anklage "einfach nur zu leben"!
Ich bitte dich, überlege dir was du eben geschrieben hast, denn stelle dir vor, du würdest in Afrika leben und dein Vater ist an Grippe erkrankt. Du möchtest Hilfe, doch niemand erhört dich, weil er einfach leben möchte, und seine Zeit nicht mit anderer Menschen Probleme vergeuden. Achja, die meisten Afrikaner haben keine Sozialversicherung und einen Hausarzt.

Geändert aus dem Drang heraus noch etwas sagen zu müssen:

Was wäre denn wenn jeder so denken würde? Die Menschheit würde sich niemals weiterentwickeln. Du hättest kein Haus, es gäbe kein Geld(was möglicherweise nicht einmal schlecht wäre), keine Technik...du würdest in der Höhle frieren, da es doch ohne Feuer auch geht, und das Leben zu kurz ist, um sich die Mühe machen es zu erfinden.

(enttäuschter) Smileyyy
 

Low Rider

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So, dann will ich mich mal als erster kritisch äußern. Ich finde es zwar gut, daß du nachdenkst, aber deinen Aussagen kann ich mich nicht anschließen. :]

Ich mag generell keine Schwarzmalerei, die uns klarmachen will, daß die Menschen in den "reichen" Ländern schlecht seien und daß die 3.Welt ach so lieb und immer nur das Opfer ist. Sind arme Menschen bessere Menschen ? Ich glaube nicht...
Auch halte ich es für sehr oberflächlich zu behaupten, daß unser Reichtum auf der Armut der 3. Welt basiert. Warum muß ich ein schlechtes Gewissen haben ? Weil es mir gutgeht ? Wenn ich z.B. ne super Freundin habe mit der ich total glücklich bin, muß ich dann ein schlechtes Gewissen gegenüber allen Singles haben ? OK, blödes Beispiel... es mag auch Beispiele geben, wie die reichen Länder der Welt die Armen ausnutzen, aber darin den einzigen Grund zu suchen halte ich für falsch.

Außerdem unterstellst du, daß es 2/3 der Menschheit schlecht geht. Du vergißt aber, daß die meisten davon völlig andere Wertvorstellungen haben als wir. Die brauchen keinen Computer, DVD-Player oder sonstwas um glücklich zu sein. Glaub mir, in vielen armen Ländern sind die Menschen glücklicher als in den reichen. Eine Ärztin die ich kenne war mal ein Jahr in Indien für das rote Kreuz unterwegs. Sie meinte nur: "Schau mal den Menschen in Indien in die Augen ! Da sieht man Freude und Leben. Schaut man mal die Menschen in den Industrienationen an, sehen die aus wie lebende Leichen..."
 

smileyyy

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Recht hast du. Aber man kann Glück jetzt nicht definieren, und deshalb finde ich liegt die Wahrheit in der Mitte von unser Beiden Aussagen. Weiters sagte Karl Marx das mit dem Reichtum der 1.Welt/3. Welt. Auch geht es mir nicht um Reichtum, sondern um die Möglichkeit sich zu entfalten, und die haben wir zur Genüge gegenüber den Armen, wie du zugeben musst.

Smileyyy
 

Campari

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ich fühle das auch auf mich bezogen, daher untenstehendes ;)

Original geschrieben von smileyyy

Du bist eben einer von jenen, welche ich anklage "einfach nur zu leben"!

Wo ist das Problem? Jeder soll sein Leben nach seinen Vorstellungen und Wünschen gestalten, demnach also auch auf seine Art leben.

Ich bitte dich, überlege dir was du eben geschrieben hast, denn stelle dir vor, du würdest in Afrika leben und dein Vater ist an Grippe erkrankt.

Tu ich aber nicht und kann auch nichts dafür. Es ist halt mein glück in einem westl. Industrieland zur Welt gekommen zu sein und hier auch weiterhin zu leben. Dafür muss ich mich nicht schämen.

Du möchtest Hilfe, doch niemand erhört dich, weil er einfach leben möchte, und seine Zeit nicht mit anderer Menschen Probleme vergeuden.
DAS meinte sm mit pathetisch ;)

Achja, die meisten Afrikaner haben keine Sozialversicherung und einen Hausarzt.

Dafür kann ich ebenso nichts. Im Übrigen zahle ich Sozialversicherungsbeiträge, habe also auch im Bedarfsfall, ein Recht darauf. auch hierfür brauche ich mich nicht schämen.

Geändert aus dem Drang heraus noch etwas sagen zu müssen:

merkwürdige Formulierung...:]

Was wäre denn wenn jeder so denken würde? Die Menschheit würde sich niemals weiterentwickeln. Du hättest kein Haus, es gäbe kein Geld(was möglicherweise nicht einmal schlecht wäre), keine Technik...du würdest in der Höhle frieren, da es doch ohne Feuer auch geht, und das Leben zu kurz ist, um sich die Mühe machen es zu erfinden.

Das war schon immer so! Es ist kein Phänomen der Neuzeit. Und trotzdem leben wir nicht mehr in Höhlen und kratzen uns den ganzen Tag am Kopf.
 

hunert

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Hallo smileyyy,

ersteinmal finde ich es gut, dass Du dir so viele Gedanken machst. Auch scheinst Du, einer der wenigen Jugendlichen zu sein, die sich überhaupt über etwas Gedanken machen (und dann noch soetwas).

Allerdings finde ich auch, dass die armen Menschen in der 3. Welt nicht zu Hochgehoben (Sinnbildlich ;)) werden sollten. Irgendwo ist es über Generationen ihre eigene Schuld, dass sie jetzt in diesem Elend leben müssen. Natürlich kann nicht jeder einzelne von ihnen etwas dafür. ABER: Die Afrikaner haben im allgemeinen einfach eine "heute arbeiten, morgen leben" Lebensphilosophie. Sobald sie etwas Geld verdient haben, werden Feste gefeiert und nicht mehr an Arbeit gedacht. So zumindest habe ich es erlebt (wenn auch nru im Urlaub) und von einem Bekannten gehört, der eine Baufirma hatte und Straßen (glaube im Kongo war es) bauen sollte. (Zitat:"Die Hunde sind faul wie die Sünde" .. nicht zu ernst nehmen) Aber dieser Bekannte hat mir genau das erzählt, wie er es erlebt hat (er ist vor diesem Auftrag auch mit einer anderen Einstellung über Afrika dahingefahren)
Deswegen finde ich es auch wichtiger, nicht Nahrungsmittel nach Afrika zu senden, sondern Hilfe in Form von Maschinen und Fachkräften, diese Nahrungsmittel selbst zu erzeugen. Wenn sie es dann nicht tun, ist ihnen wohl nicht zu helfen.
Trotzdem sollten wir Europäer den Afrikanern helfen, auf einen Lebensstandart zu kommen, auf dem sie nicht in der unteren Spalte der Maslov Pyramide verweilen müssen.

Und trotzdem leben wir nicht mehr in Höhlen und kratzen uns den ganzen Tag am Kopf.
Das liegt aber nicht daran, dass alle "einfach nur leben"
sondern imo an Leuten wie smileyyy (und natürlich auch anderen), die sich Gedanken machen, das Leben zu verbessern


gruß

hunert
 

Patmaniac

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Original geschrieben von Low Rider
Ich mag generell keine Schwarzmalerei, die uns klarmachen will, daß die Menschen in den "reichen" Ländern schlecht seien und daß die 3.Welt ach so lieb und immer nur das Opfer ist. Sind arme Menschen bessere Menschen ? Ich glaube nicht...
Auch halte ich es für sehr oberflächlich zu behaupten, daß unser Reichtum auf der Armut der 3. Welt basiert. Warum muß ich ein schlechtes Gewissen haben ? Weil es mir gutgeht ? Wenn ich z.B. ne super Freundin habe mit der ich total glücklich bin, muß ich dann ein schlechtes Gewissen gegenüber allen Singles haben ? OK, blödes Beispiel... es mag auch Beispiele geben, wie die reichen Länder der Welt die Armen ausnutzen, aber darin den einzigen Grund zu suchen halte ich für falsch.

Außerdem unterstellst du, daß es 2/3 der Menschheit schlecht geht. Du vergißt aber, daß die meisten davon völlig andere Wertvorstellungen haben als wir. Die brauchen keinen Computer, DVD-Player oder sonstwas um glücklich zu sein. Glaub mir, in vielen armen Ländern sind die Menschen glücklicher als in den reichen. Eine Ärztin die ich kenne war mal ein Jahr in Indien für das rote Kreuz unterwegs. Sie meinte nur: "Schau mal den Menschen in Indien in die Augen ! Da sieht man Freude und Leben. Schaut man mal die Menschen in den Industrienationen an, sehen die aus wie lebende Leichen..."

Mensch ist Mensch, ob jemand ein besserer als ein anderer ist, sollte nur durch seine Taten gemacht werden. Deswegen sind natürlich Menschen aus Entwicklungsländern (Vorsicht mit der Bezeichung "3. Welt" - wir haben nur eine Welt! ;)) nicht automatisch bessere Menschen. Ein Faktum ist aber zweifelsohne, dass ein großer Teil des Reichtums von Industrieländern auf der Ausbeutung der schwachen Entwicklungsländer beruht - so wie es sich leider seit Kolonialzeiten eigentlich nie verändert hat. Die natürlich Ressourcen werden ausgebeutet (Kaffee, Zucker, Orangen, Bananen nur mal als Beispiele) und zu Schleuderpreisen verschifft, nur damit wir bei Aldi für ein Kilo Bananen hinterhergeschmissen bekommen und auch ja immer unseren Kaffee zum Frühstück trinken können - günstig versteht, Geiz ist schließlich unheimlich geil.
Aber hey, ich gebs zu! Ich kauf auch meine paar Orangen bei Lidl und mach mir kein Kopf darum, warum diese eigentlich exotischen Nahrungsmittel so günstig (d.h. jetzt mehr oder weniger, weil in PW das Thema Entwicklungsländer ansteht) sind. Schlechtes Gewissen? Warum auch? Aber eigentlich sollten man es irgendwo haben.. Bzw ein Umdenken muss langsam statt finden. Kaffee z.B. nur ab und zu mal zu Besonderheiten getrunken werden und die höheren Preise auch an die Produktionsländer abgeben, dass sie sich die grundlegensden Sachen leisten können.
Eine 2. Sache ist, dass die Industrieländer zwar schön Rohstoffe billigst importieren lassen, aber wehe einer der Entwicklungsländer will dann auch mal mit Fertigprodukten auf den Markt gelangen! Wehe dem, sollen wir sie ruhig weiter im Kolonialstil ausbeuten und unsere Fertigwaren denen zu hohen Devisen andrehen. Sind ja eh nur Primitivlinge..


Ja, es ist für uns immerwieder erstaunlich: Diese armen Schweine haben eigentlich so gut wie nix und wenn wir dann mal zu ihnen zu Besuch kommen, dann werden uns zur Feier des Tages noch ihre letzten Resserven angeboten. Und natürlich ist ein Vergehen dann "Nein" zu sagen.. Andere Wertvorstellungen mögen sie also durchaus haben. Und das ist auch gut so! Nur ist deren Wertvorstellung doch nicht so abstrakt, als dass sie nicht die extenziellen Sachen (Nahrung, Unterkunft, Familie, Arbeit etc.) haben möchten! Nen DVD- Player brauchen sie sicher nicht unbedingt auf ihren Dörfen. Aber mal ein Brunnen wäre nicht schlecht.. :] ;)


@ smileyyy

Auch mein Respekt soll dir gezollt sein. Ich glaube nicht, dass ich mit 16 schon solch ein politisches Verständnis gehabt habe.
 

Campari

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@hunert
*zustimm*

Die Anzahl der Stammeskriege ist in Afrika übrigens auch sehr hoch und der Entwicklung nicht sonderlich zuträglich!

Generell macht man sichs zu leicht, wenn man nur dem dicken, weißen Mann wegen der Kolonialisierung damals, die Schuld zuzuschieben.
 

Patmaniac

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*auaua*

Irgendwo ist es über Generationen ihre eigene Schuld, dass sie jetzt in diesem Elend leben müssen.

Also wenn ich sowas höre, stehen gleich wieder meine Nackenhaare aufrecht! Das Problem nach der Unabhängigkeit der verschieden Staaten war vor allem, dass sich erstens korrupte Politiker/ Familienclans/ obere Schichten weiter bereichert haben, die vorher in den westlichen Akademien ausgebildet wurden. Warum sollte man auch bitteschön teilen, wenn man die Möglichkeit hat, das Volk zu unterwerfen und sich selbst zu bereichern und n paar schöne Paläste zu bauen? :] Zweitens schufen die rigerosen Grenzziehungen Konflikte zw. Stämmen und Staaten.

Insgesamt sind die Folgen der Kolonialzeit auch heute noch sichtlich spürbar und seitens der Industrieländer wird keine ehrliche Parnterschaft betrieben, sondern natürlich nur auf's eigene Wohl bedacht. Ist ja auch logisch, schließlich wird man nicht wiedergewählt, wenn man auf einmal Einschnitte im Leben der Wähler fordert!
 

hunert

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@pat: das mit der Schuld, war auf die Faulheit und Lebensansicht bezogen. Nicht auf Ausbeutereien.
 

smileyyy

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Nun einmal an alle, die glauben ich möchte hiermit sagen, dass WIR uns zu schämen brauchen bzw., dass die Armen etwas Besseres wären. Ganz und gar nicht. Es geht mir einfach darum, wieder einmal auf Missstände aufmerksam zu machen und möglicherweise nur einen einzigen Menschen dazu zu bringen, seine Mitmenschen besser zu behandeln. Damit wäre der Zweck meines Postes schon erfüllt.

Wir sind alle noch jung, wir tragen noch die wenigste Schuld an all den Problemen. Warum aber soll man sich nicht dagegen wehren so zu werden, wie die meisten mächtigen Menschen zur Zeit sind?
Wir sind die neue Welt, wir können die Welt zum Besseren verändern.

Ich weiß nicht wie ihr aus meinem Text solche Anschuldigungen und Moralpredigten an euch herauslesen könnt, aber Friedrich II und LowRider können es wohl. (Keine Kritik)
Das soll nicht heißen, dass sie nicht in einigen Punkten Recht haben, ich will damit nur sagen, dass ich euch nicht beschuldigen[/] sondern aufrütteln will.

Tu ich aber nicht und kann auch nichts dafür. Es ist halt mein glück in einem westl. Industrieland zur Welt gekommen zu sein und hier auch weiterhin zu leben. Dafür muss ich mich nicht schämen.
Du brauchst dich nicht zu schämen, du sollst dich freuen, und den weniger Glücklichen etwas von deiner Freude abgeben, oder zumindest leihen.

Nur kurz zum Imperialismus bzw. dem fetten Weißen Mann:

Ich weiß zwar nicht wer Schuld an den Problemen unserer Erde ist, aber wenn wir sagen wir trugen alle ein klein wenig dazu bei, so tut uns das nicht weh und es gibt Niemanden, den wir dafür bestrafen müssten und könnten.


Und zu der "einfach Leben" Frage. Ja, es ist richtig, ja sogar ein Menschenrecht, dass man sein Leben so leben kann, wie man es wünscht (sofern Andere keinen Schaden davon nehmen), doch wäre es nicht sinnvoller, wenn wir uns nicht damit zufriedengeben würden, sondern zu versuchen trachten, etwas zu bessern.

Ich versuche nicht einfach nur zu leben, ich versuche etwas zu bessern. Die Betonung liegt auf versuchen und nicht auf ICH oder verbessern.

Ich möchte diese Antwort meinerseits mit einem schönen, sehr passenden Zitat abschließen, euch aber darauf hinweisen, dass ICH gerne zu meinen Enkeln und Kindern sagen können will: Ich habe einen Menschen glücklich gemacht, und dadurch die Welt verändert. Wenn auch nur ein kleines bisschen, aber eben dieses kleine Bisschen kann mir niemand mehr wegnehmen.

Lebe, wie du, wenn du stirbst, Wünschen wirst, gelebt zu haben (Christian Fürchtegott Gellerts)
 

Obi-wan

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[Vorerst beziehe ich mich nur auf das Auftaktposting. Eine Kritik (= Analyse) der übrigen Postings ist impliziert.]

Fangen wir an bei der Erkenntnistheorie. Das ist die Theorie, welche die Bedingungen der menschlichen Erkenntnis zum Gegenstand hat.

"Der Mensch verlegt sein Wesen zuerst außer sich, ehe er es in sich findet." (Ludwig Feuerbach: Religion als Selbstentfremdung des Menschen; aus: Das Wesen des Christentums, Band I, Berlin 1956, S. 51-66)

Diese Kritik an der Religion und implizit der Anbetung eines vom Menschen geschaffenen Wesens (auf das menschliche Eigenschaften projiziert werden: Gott) ergänzte ein anderer Philosoph. Anstatt auf ein besseres Jenseits nur zu hoffen, forderte er eine Veränderung des Diesseits, der gesellschaftlichen Zustände ein:

"Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über einen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.

Die Kritik hat die imaginären Blumen an der Kette zerpflückt, nicht damit der Mensch die phantasielose, trostlose Kette trage, sondern damit er die Kette abwerfe und die lebendige Blume breche. Die Kritik der Religion enttäuscht den Menschen, damit er denke, handle, seine Wirklichkeit gestalte wie ein enttäuschter, zu Verstand gekommener Mensch, damit er sich um sich selbst und damit um seine wirkliche Sonne bewege. Die Religion ist nur die illusorische Sonne, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt.

Es ist also die Aufgabe der Geschichte, nachdem das Jenseits der Wahrheit verschwunden ist, die Wahrheit des Diesseits zu etablieren. Es ist zunächst die Aufgabe der Philosophie, die im Dienste der Geschichte steht, nachdem die Heiligengestalt der menschlichen Selbstentfremdung entlarvt ist, die Selbstentfremdung in ihren unheiligen Gestalten zu entlarven. Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde, die Kritik der Religion in die Kritik des Rechts, die Kritik der Theologie in die Kritik der Politik." (http://www.mlwerke.de/me/me01/me01_378.htm)

Derselbe kam zu dem Schluß:
"Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt."
(http://www.mlwerke.de/me/me13/me13_007.htm <9>)

Und wie ist sie denn nun, die Gesellschaft, welche das Bewußtsein der hier Anwesenden prägt? Welches Prinzip bestimmt diese Gesellschaft - wobei die Unterscheidung zwischen Wesen (Prinzip) und Erscheinungsform (Phänomene, die aus dem Prinzip resultieren) zentral ist.
Das mittlerweile einzig herrschende Gesellschaftsmodell lautet: Kapitalismus. Der Zweck ist die Mehrung von (Eigen)Kapital, die Produktion ist Mittel. Es wird gemacht, was sich verwerten läßt. Damit etwas verwertbar ist, muss eine Nachfrage bestehen (bzw. durch Werbung erst erzeugt werden. - Oder wer hatte schon vor 10 Jahren die Vorstellung, mit einem Handy herumzulaufen?) und diese Nachfrage muß selbst über Geld verfügen. Das tun die meisten Menschen in Afrika nicht, und deshalb spielen sie auf dem Weltmarkt keine Rolle. Daß sie es nicht tun, hat nicht zuletzt damit zu tun, daß die Menschen in Afrika sehr lange Kolonialherrschaft haben erdulden müssen - die ist jetzt abgelöst durch die Herrschaft von Konzernen und die Handelsinstitutionen WTO, IWF und Weltbank. (Schon vor 20 Jahren waren das die "Entwicklungsländer" ... und, hat sich etwas geändert ... eher nein, die Bevölkerungen sind immer noch weitgehend arm).

Das Prinzip gilt leider auch hier: Wer kein Geld hat, bekommt nichts auch wenn er ein Bedürfnis haben mag. Eine Nachfrage ohne Geld ist keine. Und deshalb müssen Menschen hungern, obwohl es überall genügend Land gäbe, sie zu ernähren (z. B. gibt es in Osteuropa genügend Fläche, niemand müßte hungern, weil die Technologie zur Verfügung steht, also nicht mehr hunderte Menschen beackern müssen, was ein Traktor für sie erledigen kann). Es gibt genügend Ressourcen: Arbeitskräfte (Arbeitslose in D: 5-6 Mio.), es gibt Ackerböden, es gibt volle Läger, es gibt Rohstoffe ... das Einzige was fehlt (und darüber haben sich die Urvölker auch gewundert) ist das Geld, was alles in Bewegung sitzt. Die Besitzer des Geldes verweigern aber die "Investition", weil das Geld sich nicht mehrt, wenn man es Armen zur Verfügung stellt. Innerhalb dieser Bedingungen ist es eine Verteilungsfrage! Geld ist quasi Gewalt über menschliche Arbeitskräfte, weil diese Arbeitskräfte, eigentumslos wie sie sind, abhängig bleiben. Sie sind eigentumslos, weil ihnen die Mittel fehlen, sich selbst zu ernähren. Und dieser Mangel verursacht das menschliche Elend: Kriminalität, Prostitution etc.

Und ihr, die ihr hier lest, seid privilegiert: Ihr sitzt in einer warmen Stube, verfügt über einen PC, einen Internetanschluß. Zum Leben bräuchtet ihr existenziell "nur": Nahrung, Kleidung, Wohnung - ansonsten wäret ihr den Zwängen der Naturgewalten schutzlos ausgeliefert. Deshalb haben sich Menschen als soziale Wesen in der Geschichte vergesellschaftet, um gegen den Zwang der Natur bestehen zu können. Die Überwindung des Zwanges der Natur (1. Natur) führte zum gesellschaftlichen Zwang (2. Natur): Dem Zwang, sich den Regeln der Gesellschaft, die einige fälschlicherweise für "natürlich" halten (impliziert: natürlich=unabänderlich!), anpassen zu müssen. Über die Jahrhunderte haben innerhalb der Gesellschaften haben dann einige Leute Herrschaftspositionen erlangt und diese vererbt: die Adligen, der Feudaladel und heute der Geldadel.
Gemessen an der sozialen Lage der Gesamtbevölkerung ist jede/r, der diesen Beitrag gerade liest, in einer guten Lage. Diese Lage kann sich aber verschlechtern, nämlich, wenn man seine Arbeitskraft nicht mehr am Markt verkauft bekommt und deshalb keine Einkommen zur Sicherung der eigenen Existenz hat. Wer allerdings die Bedingungen seiner Existenz nicht kennt, wem das Bewußtsein seiner sozialen Lage fehlt, der wird zum Mittel für die Zwecke anderer.
Was wir hier auf der Webseite treiben, ist der reine LUXUS. Für den, der aus dem Betreiben dieser Seite, aus der Werbung, seine Existenz bestreitet, ist es hingegen Existenzerhalt.

Was aber ist die Schlußfolgerung? - Sich freuen, zurücklehnen und denken "Glück gehabt! MIR geht es gut." = großer Fehler! In diesen Momenten arbeiten zig Leute, bezahlt von Leuten mit Kapital, daran, Gesetze zu erlassen, daß sie noch mehr Kapital sich aneignen können. Und, aus welchen Taschen werden diese Leute es holen: Richtig, aus euren!! Das ganze nennt sich immer wieder "Reform" und bedeutet für die meisten Menschen: Keine Rente, keine Absicherung, nur noch riskante Garantien mit garantiertem Risiko ("Eigenverantwortung") ... man muß sich Gesundheit, die durch das Berufsleben ruiniert wird, auch noch selbst finanzieren (wenn man es noch kann) und kann dann nicht mal hoffen, einen würdigen Lebensabend zu erleben. - Obwohl alles zur Verfügung stünde (s. o.) fehlt es am Geld, welches sich eine bestimmte Schicht bzw. Klasse in diesem Land (wie in anderen Ländern auch) aneignet.
Vielleicht habt ihr noch gerade Glück und verfügt über Geld, aber leider gibt es keine Garantien, ob das so bleibt. Schon morgen kann der Beruf, der heute noch nachgefragt wird, wieder "out" sein.

Abrunden möchte ich den Beitrag mit einem Leserbrief und dessen Beantwortung: http://www.gegenstandpunkt.com/gs/03/4/larmut.htm

Es gäbe noch viel zu sagen.
Mir geht es nicht darum, Recht zu haben, mich zu bestätigen, jemanden anzugreifen oder zu verletzen. Sondern mir geht es darum, die Reflexion zu fördern über das, was euer Leben existentiell bestimmt. In dieser Gesellschaft gibt es gegensätzliche Interessen - und Aufklärung über die gesellschaftlichen Verhältnisse ist nicht im Interesse derjenigen, welche von dieser (Eigentums)Ordnung profiti€r€n. Jede Information dient einem Zweck. Und erst wer die Zwecke kennt, kann erkennen, in welcher Lage er sich befindet ist und welches Handeln diese Lage erfordert - für den Zweck, daß es mit dem allgemeinen Elend auf dieser Welt endlich einmal ein Ende hat und die eigentliche Geschichte der Menschheit beginnen kann. Die Geschichte der Menschheit beginnt erst, wenn der Zwang der 2. Natur, der gesellschaftlichen Natur, von den Menschen als Zwang erkannt wird, den sie sich als Menschen selbst auferlegt haben und täglich neu auferlegen.

Vielleicht ist das Internet auf diesem Weg das richtige Werkzeug. - Aber wessen Eigentum ist das doch gleich? Wer kontrolliert die entscheidenden Backbones und Router ... die Besitzlosen sicher nicht.
 
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